BEHANDLUNGSABLAUF

Behandlungsablauf

Beim ersten Besuch bei mir geht es darum, dass ich Ihr Kind kennenlerne. Für Sie bedeutet es, sich auf das Gespräch einzulassen, Zeit und Geld für die Behandlung zu investieren. Durch das Gespräch mit dem Kind (je nach Alter), durch die Beobachtung von Gesten, Körpersprache, Erscheinungsbild und Anamnese ist es mir möglich ein Arzneimittel zu finden, welches auf den Krankheitszustand Ihres Kindes passt. Während des Gesprächs darf gespielt und gemalt werden. Selbst die schüchternsten Kinder tauen so schnell auf, sie freuen sich meist auf den nächsten Termin.

Jedes Kind wird mit Respekt behandelt. So ist es für mich selbstverständlich, dass es auch alleine mit mir sprechen darf, wenn es dies wünscht. Wenn ich spüre, dass der Mutter Dinge in Anwesenheit des Kindes peinlich sind, bespreche ich dies mit ihr später am Telefon. Es kann auch von Vorteil sein, dass ein erstes Gespräch ohne das Beisein des Kindes stattfindet. Eltern wird so erst einmal Zeit und Raum gegeben, über Ihre Sorgen zu sprechen, z.B. auch Erziehungs- oder familiäre Probleme anzusprechen.

Die Erstanamnese kann ein bis zwei Stunden Zeit beanspruchen, bei Kindern ist das Gespräch meist etwas kürzer als bei Erwachsenen. Je mehr Eigenheiten vorhanden sind, welche Ihr Kind von anderen Kindern unterscheidet, umso einfacher ist es für mich das (Ähnlichste) passende Arzneimittel zu finden. Ungewöhnliche Symptome und Verhaltensweisen engen dabei die Wahl stark ein. Bei chronischen Krankheiten ist oft eine Nachbearbeitung der Anamnese notwendig. Man spricht in der Homöopathie auch vom Repertorisieren. Das heisst, anhand der Symptome und Informationen werden die in Frage kommenden Arzneimittel von mir differenziert. Dadurch bin ich in der Lage eine Arznei zu wählen, die genau auf den Krankheitszustand passt.

  • Die Arznei wird beim Kind durch Anregung der Lebenskraft einen Heilungsprozess in Gang setzen, das Gleichgewicht im Organismus wird wieder hergestellt. Aus diesem Grunde bezeichnet man klassische Homöopathie auch als Regulationstherapie, da sie nicht nur auf einzelne Symptome oder Organe, sondern stets auf den ganzen Menschen wirkt und sein Wohlbefinden auf allen Ebenen verbessert.
  • Nach der Einnahme eines homöopathischen Arzneimittels muss sich zuerst die Energie des Patienten verbessern, aber auch die vordergründigen Symptome der Hauptbeschwerde werden sich reduzieren. Eine Verbesserung kündigt sich oft durch Ausscheidungsreaktionen an (Schnupfen, vermehrter Stuhlgang, Schwitzen, Juckreiz, usw.). Solche Ausscheidungsreaktionen sind erwünscht, sie dürfen keinesfalls mit irgendwelchen Medikamenten wegbehandelt werden. Ich lege hier grossen Wert auf die vorgängige Beratung. Da Kinder schnell austrocknen, müssen Eltern die Eltern aufgeklärt sein.
  • Bei der Behandlung einer chronischen Beschwerde werden Symptome aus der Vergangenheit, welche unterdrückend behandelt wurden, werden für eine kurze Zeit wieder auftreten (Erstverschlimmerung). Ich mache Eltern immer auf diese gute und gewollte Reaktion aufmerksam. Ich mag das Wort Erstverschlimmerung eigentlich nicht so sehr, ich spreche lieber von einer Heilreaktion. Eine Erstverschlimmerung kann kurz sein (einige Stunden) oder auch länger anhalten (über Tage). Danach sollte eine deutliche Verbesserung der Grundbeschwerde eintreten. Auch hier darf nicht mit Medikamenten eingegriffen werden. Die Eltern sind von mir vorgängig informiert, was allenfalls zu tun ist. Selbstverständlich bin ich auch im Notfall erreichbar.
  • Der Heilverlauf und dessen zeitlicher Rahmen ist von Fall zu Fall unterschiedlich. So kann innert kürzester Zeit auch bei chronischen Krankheiten eine Besserung eintreten, in anderen Fällen braucht es dazu mehr Zeit. Als Regel gilt jedoch, je länger die Krankheit besteht, umso länger dauert die Heilung. Je weniger unterdrückende Behandlungen stattgefunden haben, umso schneller die Heilung (dies gilt besonders bei Kindern). Ein guter Vergleich, den auch schon Kinder verstehen ist: „Ein relativ ordentliches Zimmer ist mit einem minimalen zeitlichen Aufwand aufgeräumt, während ein „Chaoszimmer“ deutlich mehr Energie und Zeit braucht, um wieder wohnlich zu werden.“
  • Wichtiger als die Geschwindigkeit ist die richtige Richtung des Heilverlaufes. Ich kläre meine Patienten immer auf, was nach dem Arzneimittel zu erwarten ist. Hält man sich an die Grundregeln der klassischen Homöopathie, kann man die Heilreaktion bereits im Voraus einschätzen.
  • Machen Sie sich keine Sorgen, wenn es bei einer homöopathischen Konstitutionsbehandlung nicht gleich beim ersten Arzneimittel klappt. Homöopathie ist eine „Heilkunst“. Ein Homöopath ist zwar bemüht, während der Anamnese den Patienten vollständig zu „erfassen“ und sämtliche Informationen für die Arzneimittelwahl zu nutzen. Aber weder die eigene Wahrnehmung und die nicht immer gegebene Objektivität der Eltern sind immer verlässlich. Je jünger das Kind ist, umso herausfordernder ist die Behandlung, und um so mehr zählt die Erfahrung des Homöopathen. Erschwerend ist manchmal auch die Ungeduld der Eltern. Manchmal stehen auch Heilhindernisse im Weg (schlechte Wohnverhältnisse, Streit in der Familie, Scheidung der Eltern, Nebenwirkungen von Medikamenten und Impfungen,  usw.).
  • In der Homöopathie muss man lange genug warten können, um die Arzneimittelwirkung voll entfalten zu lassen. Eltern blenden Teilerfolge in der Behandlung manchmal völlig aus. Beispiel: Ein Kind hat durch die Behandlung keinen Pseudokrupp mehr, die häufigen Ohrenschmerzen sind kein Thema mehr. Dafür ist für die Eltern der  Hautausschlag unerträglich, der durch die homöopathische Behandlung wieder erscheint (welcher als Baby vorhanden war, und durch Salben doch so gut wegtherapiert wurde). Hier ist dann gute Aufklärung notwendig.
  • Die Wiederholung des Arzneimittels hängt einerseits von der Art der gegebenen Dosis (Potenz), andererseits auch vom Krankheitszustand ab. Ist die Reaktion nach der Mitteleinnahme nur kurzfristig, war das Mittel zwar richtig gewählt, aber die Potenz stimmte nicht. Das Mittel muss noch einmal wiederholt werden, aber in einer höheren Potenz. Manchmal ist es so, dass die Wirkung des Mittels vorzeitig unterbrochen wurde. Man spricht dann von einer Antidotierung. Bitte beachten Sie die schriftliche Einnahmevorschrift deshalb genau.
  • Zeigt sich keine Besserung der Beschwerde, aber es melden sich neue Symptome, ist das Mittel nicht passend, in diesem Falle wird ein anderes Mittel gewählt.
  • Es ist völlig normal, wenn Ihr Kind in den ersten Tagen nach der Arzneimitteleinnahme ein erhöhtes Schlafbedürfnis hat. Der Körper braucht die Energie, um sich in ein neues Gleichgewicht zu bringen.
  • Wechselhafte Stimmungen, Gereiztheit, Impulsivität, Weinerlichkeit oder Wut sind oft Empfindungen, Gefühle, die vor dem homöopathischen Mittel nicht, oder nur maskiert vorhanden waren. Nach dem Arzneimittel kann ein superliebes, angepasstes Kind auch mal vehement nein sagen. Dies ist für das Umfeld, die Familie zunächst ungewohnt, aber wichtig für die Gesundung des Kindes. Kinder träumen manchmal auch vermehrt, Sprechen im Schlaf, Schreien, zeigen Unruhe, knirschen mit den Zähnen, kommen ins Bett der Eltern. Dies alles sind wichtige Parameter. Eltern sollten auf all diese Symptome achten und beim Folgetermin (Follow-up)  auch erwähnen.

Kontrolltermine

Bei akuten Krankheiten erhalten Sie genaue Anweisungen, in welchen zeitlichen Abständen Sie sich bei mir telefonisch melden müssen. Desweiteren informiere ich über den zu erwartenden Heilungsverlauf, z.B. was eine gute Reaktion des Mittels ist. Eine gute Zusammenarbeit zwischen den Eltern und mir ist absolute Voraussetzung für eine homöopathische Behandlung.

  • Wenn Sie sich bis zum ersten Folgetermin über die Veränderungen Notizen machen, ist dies für die Verlaufsbeurteilung für mich sehr von Nutzen.
  • Bei chronischen Krankheiten wird nach 6 bis 8 Wochen der erste Kontrolltermin gemacht. Dieser Termin ist sehr wichtig, weil ich nur daran messen kann, ob der Heilungsverlauf richtig ist, oder ob evtl. ein ergänzendes Mittel nachgereicht werden muss. Anhand der elterlichen Notizen und anhand meiner Befragung wird beim Folgetermin geschaut, was sich wann und wo verbessert hat, oder wo noch eine Verbesserung eintreten muss.
  • Je nach Krankheit, Arzneimittel und Heilungsverlauf werden die Abstände zwischen den Terminen mit der Zeit immer grösser. Ist das richtige Arzneimittel gefunden, werden bei chronischen Krankheiten in Abständen von zwei bis drei Monaten Termine abgemacht.

Zusammenfassung

  • Besserung: Die Krankheitssymptome vermindern sich, das Kind fühlt sich besser. Der Husten ist zwar noch vorhanden, aber das Kind kann Schleim erbrechen, oder das Fieber ist noch vorhanden, ist aber erträglich, oder der Durchfall ist weniger häufig, das Kind kann aber wieder Trinken, verträgt auch eine Aufbaukost. Wir Homöopathen lassen bei einer solch guten Reaktion das Mittel weiter wirken. Von einer weiteren Einnahme des Mittels ist abzusehen.
  • Erstverschlimmerung: Nach der Einnahme kann es bei chronischen Krankheiten, zu einer vorübergehenden Verstärkung der körperlichen Beschwerden kommen oder es treten alte Symptome von früher wieder auf. Dies ist  ein Zeichen, dass das Mittel richtig gewählt ist. Eine Erstverschlimmerung kann kurz dauern (einige Stunden) oder auch einige Tage anhalten. Danach tritt in der Regel eine Besserung ein. Sollte dies nicht der Fall sein, bitte anrufen. Während einer Erstverschlimmerung, bzw. Ausscheidungsreaktion darf ohne Rücksprache mit mir keine Selbstmedikation erfolgen. Auch von weiteren Behandlungen wie Akupunktur, Fussreflexzonentherapie, Bachblütenbehandlung, Bioresonanztherapie ist abzusehen. Anwendungen aus dem Prospekt Erste Hilfe bei akuten Krankheiten sind als Begleitung und Unterstützung aber erlaubt. Bei Unsicherheiten bitte anrufen.
  • Heilreaktion: Die Art der Heilreaktion ist bei jedem Menschen, je nach Konstitution verschieden. Häufig reagiert der Körper mit vermehrter Ausscheidung (Schleim, vermehrter Stuhl, mehr Urin, Durchfall, Erbrechen, Nasenbluten, Schwitzen, Ausfluss, Hautausschlag, Juckreiz, verstärkte Mens) oder Fieber. Aber keine Angst, dies geschieht nicht alles zusammen!  Die Reaktion ist auch immer abhängig vom Patienten. Jede Ausscheidung ist wie ein Ventil und ist eine Art Selbstreinigung. Der Organismus kann sich dadurch entlasten, der Patient fühlt sich anschliessend leichter und besser.

Weitere Informationen

Weitere ausführliche Informationen z.B. zu Themen wie „Grenzen der Homöopathie„, „Selbstbehandlung„, „Haus- und Reiseapotheke“ oder „Naturheilkunde“ finden Sie auf meiner Praxiswebseite: www.homoeopathie-luzern.ch/behandlung.