Verstopfung

(Obstipation)

Als Verstopfung bezeichnet man eine funktionelle Darmstörung bei der der Stuhl nicht vollständig oder nur verzögert ausgeschieden werden kann. Die Häufigkeit des Stuhlganges ist bei Kindern sehr verschieden. Zwischen dreimal täglich bis dreimal die Woche ist alles normal. Gestillte Babys verwerten ihre Nahrung so gut, dass oft mehrere Tage kein Stuhlgang erfolgt. Entscheidend dabei ist, dass das Kind keine Beschwerden hat und an Gewicht zulegt. Der Stuhl bei einem Säugling ist weich, gelblich und riecht nicht unangenehm.Muttermilchstuhl kann sehr flüssig sein. Im Allgemeinen haben gestillte Säuglinge seltener Verstopfung als Schoppenkinder.

Bei zu seltener Stuhlentleerung wird der Nahrungsbrei durch Wasserentzug stark eingedickt, der Stuhl wird hart. Durch das fehlende Stuhlvolumen wird die Darmentleerung schwieriger und es entsteht ein Völle- oder Druckgefühl im Unterbauch. Typische Zeichen einer Verstopfung wäre eine Stuhlfrequenz von weniger als dreimal pro Woche oder wenn der Stuhl sehr hart und schmerzhaft ist.

Symptome Verstopfung

Bei Säuglingen unter sechs Monaten ist Anstrengung bei der Stuhlentleerung mit Beine anziehen, Fäuste ballen, rotes Gesicht, Stöhnen nicht beunruhigend. Dieses Verhalten weist lediglich darauf hin, dass das Stuhlen im Liegen schwieriger ist. Grosskalibriger oder harter Stuhl beim Kleinkind kann auch als normal angesehen werden, wenn nicht Schmerzen, fehlender Stuhldrang damit verbunden sind.

  • Krampfartige Bauchschmerzen, besonders im linken Unterbauch, typischerweise verstärkt nach dem Essen.
  • Grosser Stuhl oder kleine Kügelchen (Schafskotstuhl).
  • Harter Stuhl (harter Stuhl ohne Beschwerden ist aber noch nicht als Verstopfung anzusehen). Es kann aber auch zu schleimig, stinkenden Durchfällen kommen, da der Kot durch die lange Verweildauer wieder verflüssigt wird.
  • Unvollständige Stuhlentleerung.
  • Die Stuhlfrequenz kann, muss aber nicht vermindert sein. Seltener Stuhlentleerungen, alle vier oder mehr Tage, müssen nicht bei allen Kindern zu Schmerzen führen.
  • Mangelnder Drang zum Stuhlgang. Es kann aber auch ein ständiger, vergeblicher Stuhldrang vorhanden sein.
  • Grosser Bauch, Druck und Schwere, Blähungen mit oder ohne Winde.
  • Kotschmieren (Kotspuren in der Unterhose bei Vor- oder Grundschulkind). Es sammeln sich grosse Mengen von hartem Kot im Mastdarm (Rektum; Enddarm) an, er beginnt davor zu vergären, sich zu verflüssigen. Da sich der After stark dehnt, verliert das Kind unbemerkt kleine Kotmengen.
  • Es kann auch zum Einnässen kommen. Das ist vielen Kindern so unangenehm, dass sich psychische Probleme entwickeln können. Manche kleinen Patienten nässen nachts ein, weil sich ihre Blase aufgrund des grossen Stuhlvolumens weniger ausdehnen und somit weniger Urin aufnehmen kann.
  • Risse am Anus (After), dadurch eventuell Blut im Stuhl.
  • Übelkeit. Belegte Zunge, Mundgeruch. Kopfschmerzen.

Chronische Verstopfung

Von einer chronischen Obstipation spricht man bei einer Beschwerdedauer von mehr als zwei Monaten. Mindestens zwei Punkte müssen erfüllt sein:

  • schmerzhafter oder harter Stuhlgang,
  • Rückhaltemanöver
  • weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche,
  • mehr als eine Episode pro Woche mit Stuhlschmieren,
  • Stuhlmassen im Rektum oder Abdomen tastbar,
  • gelegentliche Entleerung grosser Stuhlmassen.

Medizinische Abklärung bei Verstopfung

Wenn die Verstopfung länger als drei Monate andauert und keine Besserung durch Hausmittel eintritt, sollte dies beim Kinderarzt abgeklärt werden.

  • Bei Gedeihstörung
  • Bei abwechselnden Stuhlgängen mit Verstopfung und Durchfällen. Hier sollte eine Abklärung betreffend Glutenallergie gemacht werden, bei Kindern Zöliakie genannt (Erwachsene Sprue). Die Glutenallergie gehört zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen, da sowohl Antikörper gegen Gluten (Getreideeiweiss) als auch gegen das eigene Gewebe gebildet werden. Durch die Antikörper wird der typische Aufbau der Dünndarmschleimhaut zerstört. Das Gluten führt zwar zur typischen Veränderung der Dünndarmschleimhaut und damit zu einer gestörten Aufnahme von Nährstoffen.
  • Stuhlschmieren (Enkopresis). Hier werden weitere Abklärungen gemacht um einen Morbus Hirschsprung auszuschliessen. Bei dieser angeborenen Erkrankung fehlen bestimmte Schaltzellen in der Darmwand, so dass der betroffene Darmabschnitt krampfartig verengt ist.

Notfallbehandlung, Kinderarzt

  • Bei plötzlichen krampfartigen Schmerzen, angespannter Bauchdecke, Erbrechen,  Windverhalten, Fieber. Es besteht Verdacht auf Darmverschluss; Blinddarm-Entzündung.
  • Bei Schleim oder Blut im Stuhl. Der Stuhl ist auf einmal dunkel bis schwarz ist (kann auch durch Verabreichung von Eisen verursacht sein).

Ursachen Verstopfung

Verstopfung ist keine Krankheit, sondern ein häufig vorkommendes Symptom, das viele Ursachen haben kann.

Meistens liegt der Verstopfung keine ernsthafte Krankheit zugrunde. Wenn einem Baby der Stuhlgang schwerfällt, dann gibt es einige Kriterien, die man zunächst einmal überprüfen sollte. Oft liegt der Grund in einer falschen Ernährung, auch viel Trinken ist wichtig für eine gute Verdauung. Manchmal führt auch die Umstellung von der Muttermilch auf Säuglingsnahrung zeitweilig zu einer Verstopfung. Wenn das Kind wegen einer schmerzhaften Darmentleerung Angst vor dem Stuhlen entwickelt hält es willentlich den Stuhl zurück. Dadurch wird der Stuhl ins kleine Becken zurückgezogen, wo er keinen Reiz mehr hervorruft und sich zu einer harten Masse eindicken kann, die dann umso grössere Schmerzen verursacht bzw. die Angst noch mehr steigert. Es entsteht ein Teufelskreislauf.

  • Ballaststoffarme Ernährung.
  • Zu geringe Flüssigkeitsaufnahme. Bei Babys die den Schoppen bekommen tritt Verstopfung häufiger auf. Die Milchschoppen sollten daher nicht zu dick (mit zuwenig Wasser) zubereitet werden. Auch darauf achten, dass das Wasser nicht zu kalkhaltig ist.
    Trinkt das Baby nach der Beikosteinführung z.B. genug? Auch bei Fieber, heissem Wetter kann es leicht zu einem Flüssigkeitsmangel kommen.
    Die Flüssigkeitszufuhr bei Kindern erfolgt über Wasser, Tee, Fruchtsäfte, Suppe, Kompott, Eintopfgerichte.Täglicher Flüssigkeitsbedarf:
    1. Lebensjahr: 140 ml pro kg Körpergewicht.
    2. Lebensjahr: 120 ml pro kg Körpergewicht.
    Kleinkind: 100 ml pro kg Körpergewicht.
    Schulkind: 90 ml pro kg Körpergewicht.
    Jugendlicher: 50 ml pro kg Körpergewicht.
  • Abstillen; Umstellung auf Milchschoppen; Beginn Breikostnahrung.
  • Hoher Anteil an Milch, Milchprodukte (sie enthalten keine Ballaststoffe).
  • Mangelnde körperliche Bewegung.
  • Unterdrückung des Stuhlganges: Kleinkinder und besonders die Schulkinder halten ihren Stuhl oft zurück, weil sie z.B. keine Zeit für die Toilette haben. Dadurch wird der Stuhl hart und der Stuhlgang dadurch schmerzhaft und es kommt zu Bauchschmerzen.
  • Verkrampfung: Neugeborene und Kleinkinder reagieren sehr empfindlich auf Unstimmigkeiten im Umfeld. Z.B. Stress (der Mutter/ der Familie); Kaffeekonsum der Mutter.
  • Unregelmässige Essenszeiten.
  • Medikamentennebenwirkungen (z.B. Eisenpräparate, Vitamin D;  Antibiotika; Antiepileptika; Psychopharmaka; Hustenstiller). Narkosen (das kann auch nach Kaiserschnitt-Narkose sein).
  • Gestörte Darmflora (z.B. durch zu viel Zucker; nach Antibiotika; nach Impfungen).
  • Ungewohnte Lebensbedingungen (Reisen/ fremde Umgebung, eklige Toiletten, Krankenhausaufenthalt, Sauberkeitserziehung/ weglassen der Windel, Schulstart).
  • Psychische Ursachen (Verlustangst; Eifersucht; Trauer, usw.). Kinder, die gerade lernen sollen, die Toilette zu benutzen, sehen im Zurückhalten des Stuhlgangs oft auch ein kleines Machtmittel gegen die Eltern. Vor allem, wenn diese sich dadurch unter Druck setzen lassen.
  • Ärger; psychische Belastungen (z.B. neues Geschwisterchen, Umzug, familiäre Spannungen, Besuch der Spielgruppe, des Kinderhortes, des Kindergartens, Schulwechsel; sexueller Missbrauch).
  • Anale Risse/Fissuren im Schliessmuskelbereich; Hämorrhoiden; Fistel.
  • Veranlagung/Vererbung.
  • Zöliakie
  • Milcheiweissintoleranz
  • Down-Syndrom
  • Morbus Hirschsprung (Schliessmuskel kann sich nicht öffnen).
  • Morbus Crohn
  • Mukoviszidose
  • Rückenmarksläsionen (z.B. Spina bifida).
  • Hypothyreose

Klassische Homöopathie

Jedes Kind entwickelt mit der Zeit seinen ganz persönlichen Verdauungsrhythmus. Manche Kinder haben mehrmals täglich Stuhlgang, andere hingegen nur jeden dritten Tag, bei gestillten Babys dauert es gar noch länger (bis 10 Tage). Von Verstopfung spricht man erst, wenn der Stuhlgang seltener als dreimal wöchentlich erfolgt oder aber so hart und schmerzhaft ist, dass der Stuhlgang zur Qual wird.

In der Schwangerschaft  oder während der Geburt werden die Kinder bereits mit Stress, Sorgen, einem lebensbedrohliche Zustand, Medikamenten beeinflusst. Diese Einflüsse sind dann oft Auslöser für die spätere Verstopfung. Der Stuhlgang hat auch oft mit Loslassen, Ängsten oder Zorn zu tun.

Bei akuten Beschwerden (Bauchkrämpfe, Afterrisse) hilft eine Akutbehandlung schnell aus der Krise. Danach folgt wenn notwendig eine konstitutionelle Behandlung. Unter dem Begriff Konstitution versteht die Homöopathie die angeborene oder erworbene körperliche, geistig-seelische und intellektuelle Verfassung eines Patienten. Das passende Konstitutionsmittel welches nach diesen Merkmalen verschrieben wird, wirkt heilend und vorbeugend.

Bei einer chronischen Verstopfung empfiehlt sich die Konstitutionsbehandlung. Nicht jeder kleine Patient mit Verstopfung in meiner Praxis erhält das gleiche homöopathische Arzneimittel, weil jeder Patient  eine andere Symptomatik hat.  In der Homöopathie wertet man eine Stuhlverspätung von drei Tagen als psorisches Zeichen, ein Schwächezeichen.

Für die Arzneimittelgabe wird eine ausführliche Anamnese (Fallaufnahme) gemacht. Dabei schaue ich mir das Kind als „Gesamtbild“ an. Was ist die Beschwerde? Was für ein Menschlein ist das? Gibt es eine Ursache (Causa)? Wie äussert sich die Verstopfung?  Gibt es individuelle Symptome? (z.B. weicher Stuhl geht schwieriger ab als harter). Gibt es Begleitsymptome (z.B. Hautausschläge; Risse, Entwicklungsstörungen, usw.)? Wie sind die Modalitäten (was verschlechtert, was verbessert die Beschwerden)? Wie ist  das Verhalten beim Stuhlen, bei Schmerzen? Gab es  Vorerkrankungen? Wie wurden die behandelt? Wie ist der Schlaf? Kann das Kind schwitzen, und wo? Wie sind die Lebensumstände? Wie war die Schwangerschaft für die Mutter, die Geburt des Kindes? Ich schaue auch, ob es traumatische Ereignisse gab, z.B. ein Todesfall in der Schwangerschaft, das Verlassenwerden durch den Kindsvater, usw. Wie steht das Kind zu seinen Geschwistern, wie geht es damit um, wenn die Mama arbeiten muss? Hat es Ängste (vor Fremden; Tieren; Geräuschen, usw.)?

Manchmal hilft das erste Arzneimittel den Fall zu eröffnen, erste Schichten einer miasmatischen Belastung „abzutragen“. Das können z.B. medikamentöse Belastungen (Wehenhemmer, Schmerzmittel, Narkose; und später die Impfungen), Allergien, Ekzeme, Asthma, Krebs die gehäuft in der Familie auftreten sein. Gut gewählte homöopathische Arzneien können solche Blockaden aufheben und den Weg öffnen zur Gesundung.

Das Ziel der Behandlung ist, dass das Kind wieder regelmässig schmerzfrei stuhlen kann und dass sich die Stuhlkonsistenz verbessert. Es soll Vertrauen finden und loslassen können. Auch unwillkürlicher Stuhlabgang bei Kindern über drei Jahren sollte danach der Vergangenheit angehören.

Nach der Arzneigabe werden die Eltern darüber orientiert, wann sie mir eine telefonische Rückmeldung geben müssen und wann eine Folgekonsultation notwendig ist.

Begleitend zur Behandlung sollte immer auch die Ernährung angepasst werden. Manchmal ist es auch notwendig Symbionten zu verabreichen, z.B. nach fiebrigen Infekten, einer Antibiotikabehandlung, damit die natürliche Darmflora (Enterokokken-, E-coli-Bakterien) sich wieder erholt.

  • Symbioflor 2-Tropfen, das sind Escherichia Coli-Bakterien. Dosierung-, und Gebrauchsinformation beachten (z.B. nicht bei akuten, fieberhaften Erkrankungen anwenden).
  • Bioflorin-Kapseln, das sind Enterococcus faecium Bakterien. Die Kapseln können bei kleinen Kindern für die Verabreichung geöffnet und der Inhalt mit Fruchtsaft o.ä. verrührt werden. (Bitte Dosierung- und Gebrauchsinformation beachten).
  • Bifidus-Joghurt erfüllt denselben Zweck.

Allgemeine Tipps

  • Rituale und ein Belohnungssystem helfen beim spielerischen Umgang mit dem Sauberwerden. Dazu gehört auch das Toilettentraining bei Kindern im Alter von  2-3 Jahren: Regelmässiger Toilettengang nach der Hauptmahlzeit. Darauf achten, dass das Kind seine Füsse abstützten können um die Entleerung zu erleichtern. Einsatz für’s WC benützen (viele Kinder haben Angst ins grosse Loch zu fallen, sie verkrampfen sich beim Stuhlgang). Eventuell kann man auch wieder das Töpfchen benützen. Den Stuhlgang nicht zum „Familienthema“ werden lassen. Zwingen Sie Ihr Kind nicht auf das Töpfchen oder Toilette zu gehen.
  • Bewegung
  • Ballaststoffreiche Nahrung (s. unten Ernährung).
  • Gutes Kauen beim Essen.
  • Trinkmenge beachten (Wasser, ungesüsster Tee, verdünnte Fruchtsäfte). Ein Glas warmes Wasser oder (kalter) Fruchtsaft morgens nach dem Aufstehen nüchtern trinken lassen.
  • Bei Säuglingen After mit eingeöltem Wattestäbchen leicht reizen.
  • Milchzucker regt den Stuhlgang an und fördert das Wachstum der guten Darmbakterien.  Ab dem 6. Monat. Da sowohl Muttermilch als auch Säuglingsanfangsnahrungen bereits viel Milchzucker enthalten kann, ist eine Dauergabe in den ersten sechs Monaten nicht zu empfehlen.
    Mit einem gestrichenen Teelöffel Milchzucker pro Tag beginnen. Dosis täglich um einen TL erhöhen, bis sich ein Erfolg einstellt. Bei grösseren Kindern kann man auch Milchzuckertabletten verwenden. Dosierungsangaben des Herstellers genau beachten, weil es sonst erst recht zu Verstopfungen kommen kann. Bei Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall ist die Dosierung zu hoch. Milchzucker hat Kalorien und erhöht in der Flasche beigefügt die Kariesgefahr. Er sollte also nicht als regelmässiger Nahrungs-Zusatz gegeben werden!
  • Einlauf/ Klistier während 2-3 Tagen, wenn z.B. der Stuhl sehr hart ist, und es zu Einrissen gekommen ist.
    Achtung: Klistiere nur kurze Zeit anwenden (Gefahr für Störungen im Mineral- und Wasserhaushalt). Man verwendet lauwarmes Salzwasser (1/2 l abgekochtes Wasser, 1 gestrichener TL Kochsalz/ od. Meersalz). Noch schneller wirkt ein kleines Klistier mit 10 ml Glyzerin und 10 ml Wasser gemischt. Bei Säuglingen und Kleinkindern nach der Anwendung des Klistiers die Pobacken einige Minuten zusammen drücken, damit die Klistierlösung genügend Zeit zum einwirken hat. Nach Eintritt der Wirkung kann es noch während mehrerer Stunden wiederholt zu wässrigen Stuhlgängen kommen. Es gibt auch Klistiere in der Apotheke, Drogerie (Microklist; Microlax. Klistier mit Glycerin (Babylax).

Ernährung

Häufige Ursachen für eine Verstopfung ist die falsche Ernährung. Vor allem der Mangel an Ballaststoffen führt zur Verstopfung. Ballaststoffe sind pflanzliche Nahrungsbestandteile die unverdaut in den Dickdarm gelangen. Sie binden Wasser, lockern den Stuhl auf und regen so die Darmtätigkeit an. Faserreiche Nahrung ist auch vitaminreicher und zuckerarm.

  • Trinkmenge erhöhen: Zwischen den Mahlzeiten, Wasser, ungesüssten Früchte-Tee. Bei Fencheltee vorsichtig sein, er kann stopfen. Schwarztee meiden, er stopft ebenfalls. Bei grösseren Kindern können Sie auch verdünnte Fruchtsäfte  wie trüber Apfelsaft, Traubensaft, Pflaumensaft (Vorsicht wenn Neigung zu wundem Po besteht), frisch gepresster Gemüsesaft anbieten. Die Babynahrung mit 30 ml Wasser mehr anschütteln.
  • Ballaststoffreiche Ernährung (Faserstoffe in Vollkornprodukten, Gemüse, Hülsenfrüchte, Früchte). Ballaststoffe fördern die Verdauung, sie sind für uns praktisch unverdaulich. Diese Nahrungsmittel müssen gut gekaut werden, werden daher gut eingespeichelt und werden so mit Verdauungsenzymen angereichert. Zusammen mit reichlich Flüssigkeit quellen Faserstoffe auf, vergrössern so das Stuhlvolumen, dehnen den Darm, was eine regelmässige Entleerung fördert. Rezeptoren in der Darmwand nehmen die Füllmenge wahr und lösen einen Reflex zur Entleerung aus. Eine Ballaststoff-Menge von 30 g pro Tag reicht aus (z.B. enthalten in 3 Stück Vollkornbrot). Mehr kann zu Blähungen führen.
    Achtung
    : Kleine Kinder können noch kein Rohgetreide verdauen (ausser Hafer). Vollkornbreie werden deshalb kurz aufgekocht um die Verdauung zu erleichtern.

    • Weissmehlprodukte (z.B. weisses Toastbrot, Brötchen), Teigwaren, weisser Reis ersetzen mit Vollkornprodukten Vollkornprodukte wie Naturreis, Vollkornteigwaren, Kartoffeln, Vollkorn-Brot: Roggen, Weizen, Kleiebrot; Gerstenbrot. Vollkorn-Knäckebrot;
    • Frisches Obst, z.B. Birnen, Aprikose, Orange. Getrocknete Pflaumen, Zwetschgen oder Feigen (abends 2-3 Früchte in Wasser einlegen, am nächsten Morgen samt Wasser essen (Feigensirup hat die gleiche Wirkung). Papaya.
    • Rüebli/Karotten, Kohlrabi  zwischen den Mahlzeiten knabbern lassen.
    • Stuhlauflockernde Gemüse sind Brokkoli, Blumenkohl, Fenchel, Kohlrabi, Kürbis, Pestinaken, Spinat, und Zucchini.
    • Müsli mit Bifidusjoghurt ohne Zucker, evtl. gesüsst mit etwas Honig. Dazu geben kann man beispielsweise Hafer-, Hirse-, Weizenflocken, Buchweizen, frisches Obst, Nüsse, Sonnenblumenkerne, Rosinen, Sesam und/oder Leinsamen. Achtung: Honig erst ab 12 Monate. Honig, der nicht ausreichend erhitzt wurde, kann mit einem Sporen bildenden Bakterium verunreinigt sein, dem Clostridium botulinum.
    • Weizenkleie, Weizenkeimflocken (täglich 1 gehäufter EL), Haferflocken, ungezuckerte Cornflakes. Als Füllmittel (in Joghurt o. Ä. verabreichen). Kleinkinder 5g, Schulkinder 15-30g mit viel Flüssigkeit
    • Leinsamen (1 EL, aufgelöst in mindestens 150 ml Flüssigkeit), ab 6 Jahren.
    • Flohsamen (1 TL in 100-200 ml Flüssigkeit). Sie schmecken besonders gut mit Kompott (Pflaumen, Zwetschgen), Joghurt, Quark, Furchtsaft oder in einem Müesli.Achtung: Bei Kindern mit bereits erweiterten Dickdarm kann sich eine zu faserreiche Kost negativ auf die Symptomatik auswirken.
  • Pre-Nahrung mit probiotischen Anteilen.
  • Haferschleim (Bimbosan) ab drittem Monat, Hirseschleim (Bimbosan). Keine Zugabe von Reis- oder Haferflocken im Schoppen.
  • Beikost/ Breie: Hirsebrei, Dinkelbrei, Griesbrei, 3-Korn-Brei. Kein geriebener Apfel, da das Pektin stopfend wirkt (besser ist selbst zubereitetes Apfelmus mit gekochtem Apfel), keine Banane, Besser ist geraffelte Birne. Etwas grössere Kinder können auch frische oder in Wasser (eingelegte) Pflaumen, Feigen, Aprikosen essen. Auch Datteln oder Apfelschnitze mit Schale schmecken ihnen gut.
    Bei Verstopfungsneigung nicht zu viel Karotten/Rüebli geben, besser sind Brokkoli, Blumenkohl, Fenchel, Kohlrabi, Kürbis, Pestinaken, Spinat, Zucchetti.
  • Muttermilch ist fettreich, bei der Umstellung auf Gemüsebrei fehlt oft das Fett. 1 TL Olivenöl oder 1 TL Leinöl pro Mahlzeit dazugeben.
  • Gehen Sie massvoll mit Süssigkeiten um. Dazu gehören Schokolade, Kakao, raffinierte Nahrungsmittel, gesüsster Tee, Coca Cola, Limonaden (Zucker in Limonaden schädigt die Darmflora und damit das Immunsystem).
  • Milch- und Milchprodukte für einige Wochen meiden, vor allem bei Analfissuren, atopischem Ekzem (Milchschorf, Neurodermitis), chronischem Schnupfen, chronischer Bronchitis (bis die homöopathische Behandlung angeschlagen hat).

Tipps aus der Naturheilkunde

  • Massagen:
    • Bauch mit Melissenöl im  Uhrzeigersinn mit warmer Hand massieren.
    • Sanfte Massage am äusseren Oberschenkel vom Knie hoch zur Hüfte.
    • Fussmassage rund um die Ferse, also auf der „Standfläche“ beginnend zur Aussenkante um die Ferse herum zur Fusssohle.
    • Ein warmes Bad und eine sanfte Bauchmassage im Uhrzeigersinn kann Wunder bewirken. Meist geht der Stuhl im Wasser eh besser ab.
  • Bauchwickel mit warmen Kartoffeln, Heublumen oder warmem Wasser.
  • Bei Rissen (Rhagaden): Ringelblumensalbe hilft bei der Wundheilung, der Stuhl selber muss aber weicher werden (z.B. Calendula Wundsalbe von Weleda. Sie enthält kein Zink. Zink sollte gemieden werden weil  Zinc über Haut und Schleimhaut aufgenommen wird und eine Zinkempfindlichkeit machen kann (es entstehen dann Symptome am Nervensystem mit nächtliche Unruhe, Schlafstörungen, unruhige, zappelige Füsse, Geräuschüberempfindlichkeit. Das sind nur einige Symptome die wir in den homöopathischen Praxen sehen).
  • Flohsamen: Sie enthalten Schleimstoffe, die in Verbindung mit Wasser stark quellen (wie die Leinsamen). Das Stuhlvolumen vergrössert sich dadurch, es kommt zum Dehnungsreiz an den Darmwänden, die Verdauung wird so angeregt. Nach der Einnahme sollte das Kind viel trinken.
  • Feigensirup
  • Lebertran- und 1 Weizenkeimöl-Kapseln.

Achtung: Aloe, Senna, Faulbaumrinde oder Rhabarber sind bei Kindern unter 10 Jahren kontraindiziert.

Schulmedizinische Behandlung

Organische Ursachen sollten bei einer länger anhaltenden Verstopfung immer ausgeschlossen werden. Die Krankengeschichte (Anamnese) und eine kinderärztliche Untersuchung ist meist ausreichend. Weitere Untersuchungen sind bei Stuhlschmieren notwendig. Wenn sich die Symptome unter konsequenter Therapie nach sechs Monaten nicht bessern ist eine weiterführende Diagnostik zu erwägen.

Achtung: Bei starken Schmerzen, hartem Bauch, Fieber, Erbrechen, schleimigem, blutigem, schwarzem Stuhl ist immer ein Arztbesuch notwendig (Notfall).

  • Ernährungsberatung mit balloststoffreicher Nahrung.
  • Verhaltenstherapie (Toilettentraining, Belohnungsstrategien).
  • Glycerinzäpfchen oder Sirup, damit der Stuhl gleitfähig wird.
  • Klistiere/ Einläufe, um den Darm zu entleeren und um die Schmerzen zu nehmen.
    Achtung: Abführmassnahmen wie Zäpfchen und Einläufe können dazu führen, dass jegliche Untersuchungen am Po von den Kindern strikt abgelehnt werden. Klistiere sollten daher nicht das erste Mittel der Wahl sein um den Stuhlgang zu regulieren. Entscheidender ist die Beseitigung der Ursache. Das heisst zum Beispiel die ballaststoffreiche Ernährung zu fördern, die Trinkmenge zu erhöhen und das Toilettentraining behutsam zu fördern (Kinder über zweieinhalb bis drei Jahre). Bei Babys kann man Milchzucker verwenden (fördert das Wachstum von Lactobazillus bifidus Bakterien im Darm).
  • Schmerzlindernde Salbe die vor dem Stuhlgang am Anus aufgetragen wird.
  • Laxantien (der Stuhl wird weicher, kann leichter ausgeschieden werden):
    • Zäpfchen: Glycerin
    • Lactose (Milchzucker): Pulver, Tabletten.
    • Lactulose: Sirup, Pulver oder Granulat. Wirkt abführend und präbiotisch auf die Mikroflora des Darms. Nebenwirkungen: Flatulenz (Abgang von Darmgasen). Nicht angewendet werden darf Lactulose bei Lactoseintoleranz (ebenso bei Darmverschluss, Gelbsucht, entzündliche Magen-Darmerkrankungen, Blutungen, Elektrolythaushalt-Störungen).
    • Macrogol für Kinder ab dem 2. Lebensjahr
  • Selten und nur in schweren Fällen muss der Darm operativ und unter Narkose ausgeräumt werden.
  • Operation (Morbus Hirschsprung; Fehlbildungen im Enddarm; Darmverengung).
  • Sind psychische Ursachen für die Verstopfung aufgrund des Stuhlzurückhaltens im Vordergrund, bedarf es einer Erziehungsberatung und  gegebenenfalls auch einer Kinderpsychotherapie, Familientherapie.