Schlafprobleme / Schlafstörungen

Der Schlaf ist eine wichtige Voraussetzung für die körperliche und geistige Entwicklung. Während des Schlafens durchläuft der Mensch verschiedene Schlafphasen, die sich in ihrer Schlaftiefe unterscheiden.

In den ersten sechs bis acht Wochen ist das Baby nicht in der Lage mehr als zwei Stunden durchgängig wach zu bleiben. Säuglinge schlafen in den ersten Wochen pro Tag zwölf bis achtzehn Stunden. Während die einen Babys schon in den ersten acht Lebenswochen nachts durchschlafen, erreichen dies andere Kinder erst im Alter von fünf bis sechs Monaten oder sogar noch später. Einen guten Schlafrhythmus kann man nicht erzwingen aber aufbauen. Das Schlafbedürfnis ist sehr individuell. Kinder zwischen 5 und 12 Jahren benötigen durchschnittlich 9 bis 11 Stunden Schlaf. Viele Eltern überschätzen schlichtweg den Schlafbedarf ihres Kindes. Ist ein Kind morgens ausgeschlafen, entwickelt es sich normal, dann schläft es normal.

Eine behagliche, beruhigende Umgebung vermittelt dem Kind Sicherheit, schenkt eine positive Schlafeinstellung. Ist das Kind müde, wird es klare Zeichen dafür geben. Es reibt z.B. mit den Fäustchen die Augen, spielt mit seinem Ohr, hat schwere Augen. Mit ca. acht Wochen kann ein Baby lernen alleine einzuschlafen. Mit einem Kuscheltier, einem Kuscheltuch und liebevoller Berührung kann man dies üben. Wenn das Baby hingegen lernt, dass es immer in den Schlaf gewiegt wird, wird es das später auch erwarten und einfordern.

Bis zu 50 Prozent der Vorschul- und Schulkinder haben phasenweise Ein- oder Durchschlafprobleme. In der Regel werden diese durch äussere Einflüsse verursacht. Sei es, dass etwas Neues beginnt (Kinderhort, Kindergarten, usw.) oder dass sie familiäre Konflikte, Probleme mit Freunden, Schulsorgen  sie belasten. Auch ein übermässiger Fernseh- oder Computer-Konsum kann das Einschlafen negativ beeinflussen. Ursachen für Schlafprobleme können auch Ängste sein. Manche Kinder habe z.B. Angst vor dem Alleinsein, oder sie fürchten sich vor Monstern, der Dunkelheit, vor Geräuschen. Sie können von Albträumen geplagt sein. Schlafwandeln, Sprechen im Schlaf, nächtliches Zähneknirschen, schreckhaftes Erwachen sind weitere Auffälligkeiten.

Behandlungsbedürftig sind Schlafprobleme wenn das Kind zum Wiedereinschlafen wiederholt und längerfristig die Unterstützung der Eltern benötigst, nachts schreit, mit Angst und  Schlafverweigerung reagiert oder wenn es bei älteren Kindern es zu Leistungs- und Konzentrationsschwierigkeiten kommt. Bei Schlafproblemen leiden die Eltern oft mehr als das Kind. Sie fühlen sich verunsichert und überfordert. Das Schlafdefizit der Bezugsperson, meistens ist es die Mutter, unterhält die Unausgeglichenheit des Kindes, ein Teufelskreis beginnt.

Symptome Schlafstörungen

  • Ein- und Durchschlafstörungen, sie äussern sich z.B. durch Zähneknirschen, Reden im Schlaf, unwillkürliche Körperbewegungen, Ängsten, Unausgeglichenheit, Konzentrationsschwäche.
  • Verminderung des Schlafes.
  • Vermehrung des Schlafes.
  • Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Unterbrechung des Schlafes (Alpträume; Schlafwandeln; Pavor nocturnus).

Ursachen Schlafstörungen

Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Verhaltensaufälligkeiten im Kindesalter. Die häufigsten Schlafstörungen bis ins Vorschulalter sind Einschlaf- und Durchschlafstörungen (Insomnie).

  • Überschätzung des kindlichen Schlafbedürfnisses.
  • Unregelmässiger Tagesrhythmus, unregelmässige Einschlaf- und Aufstehzeiten.
  • Sport, Computerspiele, Fernsehen, fantasiereichen Geschichten vor dem Schlafen.
  • Fehlende Rituale.
  • Falsche Einschlafgewohnheiten, das Kind lernt nicht selbständig einzuschlafen. Legen sich Eltern z.B. immer zu ihrem Kind oder tragen es herum bis es eingeschlafen ist, verbindet das Kind das Einschlafen mit diesen Ritualen. Erwacht es in der Nacht, kann es ohne die körperliche Nähe der Eltern nicht mehr einschlafen.
  • Das Kind hat zu warm.
  • Nächtlicher Strassenlärm, hellhörige Wohnung, kein eigenes Zimmer oder auch unruhige Geschwister.
  • Ängste (Erwartungsängste; Angst vor Monstern/Gespenstern; Trennungsangst: Dunkelheit). Zubettgehen, Schlafengehen deshalb nie als Strafe verwenden.
  • Alpträume (das Kind wird meist in der zweiten Nachthälfte wach, ist verängstigt, will getröstet werden, die Angst hält nach dem Erwachen an, es kann nur verzögert wieder einschlafen.
  • Pavor nocturnus. Das Kind erwacht 1-3 Stunden nach dem Einschlafen, ist ausser sich, die Augen sind weit aufgerissen, es kann aber nicht geweckt werden. Es nimmt die Eltern nicht wahr, schlägt um sich, ist zornig, verwirrt, schwitzt, hat erhöhten Puls. Das teilweise Erwachen ist mit Stöhnen oder anderen Lauten verbunden,gefolgt von Weinen und Rufen und wilden Bewegungen im Bett. Alle Versuche das Kind zu wecken, schlagenfehl, verschlimmert oft das Schreien und verstärk die Bewegungen. Man kann nur abwarten, das Kind vor Verletzung schützen. Das Kind schläft dann plötzlich wieder ein.
  • Aufregung, Übermüdung.
  • Depressionen
  • Schlafwandeln
  • Medikamente (z.B. Ritalin, Ventolin, Antibiotika, Hustensaft, usw.).
  • Alkohol, Nikotin (über die Muttermilch; bei Jugendlichen); Cola
  • Geopathische Kraftfelder (Wasseradern, Elektrosmog).
  • Vielleicht braucht das Kind den Mittagsschlaf nicht mehr.
  • Körperliche Ursachen:
    • Hustenreiz (chronische Bronchitiden, Asthma).
    • Behinderte Nasenatmung (Polypen, vergrösserte Rachenmandeln).
    • Juckreiz (Neurodermitis).
    • Schmerzen: z.B. Dreimonatskoliken; Ohrenschmerzen.
    • Akute Krankheiten wie Fieber, Ohrenschmerzen, Grippe, usw. Jede akute Krankheit, die mit Unwohlsein, Fieber verbunden ist, kann das Schlafmuster eine Zeitlang durcheinander bringen.
    • Zahnen: Während der Zahnung reagieren manche Kinder durch die Schmerzen mit Unruhe, Zahnungsschmerzen führen aber nicht zu Schlafproblemen, die wochenlang dauern.
    • Epilepsie (Wiederkehrende Bewegungsmuster im Schlaf wie Bewegungen mit demselben Arm oder der gleichenKörperseite. Die Bewegungen können ganz diskret, ungewöhnlich steif oder zittrig aussehen. Sie könnenmit Lauten und Sprache verbunden sein. Bei häufigen Episoden ist das Kind am Tage müde).

Behandlung klassische Homöopathie

Die meisten Schlafstörungen im ersten Lebensjahr sind in Wirklichkeit Ausdruck der normalen Schlafentwicklung. Durch unterschiedlichen Schlafphasen (Leichtschlaf- und Tiefschlafphasen) kommt es zu völlig normalen Leichtschlaf und Unruhephasen. Das Kind lernt erst nach und nach sich zu beruhigen wenn es kurz erwacht ist. Babys und Kleinkinder können sechs- bis siebenmal pro Nacht kurz aufwachen (jeweils im Anschluss an eine Traumphase), das ist normal. Durchschlafprobleme sind  also genau genommen Wiedereinschlafprobleme. Babys haben ein natürliches Bedürfnis, die Nähe der Eltern zu spüren, wurden sie doch in der Gebärmutter getragen, gewärmt, geschaukelt und genährt. In Mamas Bauch gab es weder einen Tag-, noch Nachtrhythmus. Das Kind wird allein einschlafen lernen, wenn ihm dazu die Möglichkeit gegeben wird.

Das kindliche Gehirn verarbeitet im Schlaf die Erlebnisse des vorangegangenen Tages oder reflektiert noch nicht überwundene Trennungsängste bei einer noch altersbedingten fehlenden Bindungssicherheit. Kinder kommen daher oft ins Bett der Eltern und schlafen erst dort ruhig weiter. Zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat wachen viele Kinder wieder häufiger auf. Die Kinder werden in diesem Alter mobiler, machen rasante Fortschritte, lernen täglich Neues und machen enorme Entwicklungsschritte durch. Ihr Gehirn muss dies im Traumschaf verarbeiten. Sie sind besonders weinerlich, unausgeglichen. Ist der Entwicklungsschritt vollzogen normalisiert sich alles wieder. Ähnlich problematisch ist die Trotzphase, wenn die Kinder immer selbständiger werden und alles alleine machen wollen. Sie brauchen dann als Ausgleich die Nähe ihrer Eltern. Ihre Verunsicherung kommt zum Ausdruck, indem sie gerade nachts kuscheln möchten. Neue ungewohnte Situationen wie Spielgruppe, Kinderhort, Kindergarten, Ferienreise können den Schlaf ebenfalls ganz schön durcheinanderbringen. Innerhalb weniger Wochen spielt sich dann normalerweise alles wieder ein.

Körperliche Beschwerden wie Juckreiz bei Neurodermitis, Fieber, Infekte, Zahnen usw. wirken sich bei Kindern oftmals mit Schlafproblemen aus. Sie werden durch die klassische Homöopathie vorrangig behandelt (s. entsprechende Krankheiten).

Der Schlafbedarf ändert sich mit zunehmendem Alter. Nicht selten hinken Eltern mit den bestehenden Schlafenszeiten dieser Entwicklung hinterher. Mit einem Schlafprotokoll können Sie selbst ganz einfach ermitteln, wann und wie viel Ihr Kind schläft. Vielleicht stellen Sie dabei fest, dass es doch mehr Schlaf zusammenbekommt, als Sie bisher angenommen haben.

Der Schlaf des Kindes wird als gestört wahrgenommen, wenn das Kind

  • nicht (alleine) einschlafen kann,
  • wenn es nicht (altersentsprechend) durchschläft,
  • wenn die Schlafdauer zu kurz ist (und das Kind dadurch unleidlich, gereizt ist),
  • wenn Neugeborene tagsüber (nachts) nicht schlafen können oder
  • wenn der Schlaf durch Sprechen oder Weinen, Angstattacken, Schlafwandeln unterbrochen ist.

Wenn Kinder schlecht schlafen, liegt es oft an äusseren Faktoren, sie sollten möglichst ausgeschaltet werden (Lärm, usw.). Die Anwendung homöopathischer Arzneien für Schlafstörungen sollte nur nach genauer homöopathischer Anamnese erfolgen. Symptome und Konstitution sollen berücksichtigt werden. Stillt die Mutter noch, lohnt sich evtl. auch ein Blick auf die familiäre Situation, die Ernährungsgewohnheiten der Mutter, deren Medikamentenkonsum, die Medikamenteneinnahme unter der Geburt. Manchmal sind es die Streitereien der Eltern, Traumata, Rivalitäten unter Geschwistern, Eifersucht, Schulängste oder ein Film im Fernsehen, die nicht adäquat verarbeitet werden können. Solche Belastungen können dazu führen, dass das Kind überdreht ist, ängstlich reagiert. Behandelt wird dann auf Kummer, Kränkung, Eifersucht. Für einen Homöopathen ist es wichtig, wie der Betroffene damit umgeht, wie die Reaktion auf solch emotionale Verletzungen ist.

Für die meisten Schlafstörungen gibt es spezifische homöopathische Arzneien. Kinder mit Entwicklungsstörungen brauchen tiefgreifende  Arzneien, die auch den genetischen Hintergrund der Familie berücksichtigen müssen. Schlafprobleme äussern sich bei jedem Patienten anders, jeder geht anders damit um. Ich rate Eltern immer so früh wie möglich zu einem Beratungsgespräch und zu einer eventuellen homöopathischen Behandlung. Besonders, wenn noch weitere Kinder die Mutter beanspruchen. Nächtliche Ruhestörungen über einen längeren Zeitraum gehen an die Substanz und haben körperliche Auswirkungen.

Die Schlafstörung ist ein Symptom einer tiefer liegenden Ursache, so sieht es die klassische Homöopathie. Schlafprobleme sollten immer durch einen erfahrenen Homöopathen behandelt werden. Das richtig gewählte homöopathische Arzneimittel macht keine Unterdrückung der Symptomatik. Ziel der Behandlung ist es, dass der Schlaf erholsam wird, dass das Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Schlaf als Allgemeinsymptom, ist  auch ein wichtiger Verlaufsparameter bei der Behandlung einer Krankheit. Ein verbessertes Schlafverhalten ist häufig eines der ersten Anzeichen einer positiven Arzneiwirkung.

Tipps

  • Das Kind im Elternbett schlafen lassen (wenn beide Elternteile damit einverstanden sind). Damit es im Elternbett nicht so eng wird, ein auf einer Seite offenes kleines Gitter-Babybett, direkt am Elternbett befestigen.
  • Wenn sich ein Baby nicht beruhigen lässt, den Schlaf nicht findet, kann man es in ein Tuch einwickeln, so dass es die  Arme und Beine Baby nur ein wenig bewegen kann. Das Kind dann auf die Seite legen (Embryohaltung, und durch ein Kissen, Decke im Rücken gegen Umfallen in Bauchlage sichern).
  • Eine Geräuschkulisse (Staubsauger-/Fön-Wecker-Geräusch aufgenommen auf Kassette abspielen beruhigt.
  • Sanftes Wiegen beruhigt (Hängematte, Wiege, im Schaukelstuhl schaukeln). Man kann den Säugling auf dem Arm oder auf den Oberschenkeln schaukeln/wiegen, wobei die Beine auf und ab oder nach links und rechts bewegt werden.
  • Saugen entspannt.
  • Tagsüber für gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung und frische Luft sorgen.
  • Ein geregelter Tagesablauf beugt Schlafproblemen vor. Möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen.
  • Verpassen Sie das Schlaffenster nicht. Da Kinder bei zunehmender Übermüdung regelrecht überdreht werden, ist es wichtig, sie bei auftretender Müdigkeit rechtzeitig schlafen zu legen. Bereits Neugeborene zeigen dass sie müde sind. Typisch sind ein veränderter Gesichtsausdruck, Gesicht-Abwenden, Stirnrunzeln, Grimassieren, Gähnen, Augen-, Ohrenreiben, Schreien/Weinen, Quengeln, ruckartige Bewegungen, Ballen der Fäustchen, Steifmachen, reduzierte Aktivität, weniger Bewegungen, Saugen, Schnullern, Daumelutschen.
  • Rituale fördern den Schlaf. Geschichten erzählen, ein Lied summen, Abendgebet, Kuscheln, beim Kind zu bleiben bis es eingeschlafen ist, usw.
  • Abends vor dem Schlafengehen sollten Eltern nur ruhige Dinge mit Ihrem Kind unternehmen (Fernseher ist in den letzten zwei Stunden vor dem Schlafen tabu).
  • Das Wärmeempfinden ist auch bei Kindern verschieden. Ein Schlafsack kann für manch ein Kind zu heiss sein. Passen Sie die Zimmertemperatur an. Wenn sich ein Kind noch nicht artikulieren kann, fasst man den Nacken des Kindes und fühlt, ob es dort kalt oder warm ist.
  • Das Zimmer möglichst dunkel halten, so dass vor allem im Sommer abends kein Licht hineinfällt. Gegen die Angst im Dunkeln allerdings ein Nachtlicht brennen lassen.
  • Konflikte sollten nicht in den Abendstunden bearbeitet werden.
  • Mit zunehmendem Alter, werden die Abschnitte immer grösser wo das Kind gefüttert werden muss. Ab ca. 6 Monaten kann das Baby am Tag genügend Kalorien aufnehmen und braucht nachts keine Mahlzeit mehr.  Wenn Ihr Baby dazu neigt, während des Stillens einzuschlafen, wecken Sie es auf. Nachts, wenn Sie das Baby füttern seien Sie leise, halten Sie das Zimmer dunkel.
  • Halten Sie genügend Abstand zum Mittagsschlaf ein. Ihr Kind sollte spätestens vier Stunden vor der Schlafenszeit aus seinem letzten Tagesschlaf aufgewacht sein.
  • Seien Sie morgens leise, falls Sie selbst früh raus müssen. In den Morgenstunden ist der Schlaf weniger tief, sodass Ihr Kind durch Geräusche leichter aufwacht.
  • Belohnen Sie ihr Kind für all das, was es schon selber gut kann.

 

Tipps aus der Naturheilkunde

  • Fussmassage, Massagen.
  • Lavendel-, Fichtennadel-, oder Melissenöl in einer Duftlampe.
  • Heisse Milch mit Honig eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen (Honig erst ab dem ersten Lebensjahr. Honig kann bei Säuglingen einen Säuglingsbotulismus hervorrufen).
  • Melissen-Tee, Baldrian.
  • Melissenbad
  • Kräutersäckchen mit Melisse, Hopfenblüten, Lavendelblüten neben Kopfkissen legen.

Behandlung Schulmedizin

Um eine sinnvolle Therapie zu starten muss der Grund der Schlafstörung bekannt sein. Wenn eine chronische Krankheit der Grund für die Schlafstörung ist, wird diese behandelt (z.B. Bauchschmerzen, Juckreiz, Schmerzen). Manchmal hilft es bereits, wenn Spannungszustände angesprochen werden.