Scharlach

(Scarlatina)

Am häufigsten tritt Scharlach im Herbst und Frühjahr auf. Scharlach ist eine Infektionskrankheit, sie wird durch Bakterien (A-Streptokokken) und deren Toxine (Gifte) ausgelöst. Am häufigsten erkranken Kinder im Vor-, und Schulalter, v.a. zwischen dem 3. und 10. Lebensjahr. Die Übertragung geschieht durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Schnupfen) und seltener durch infizierte Gegenstände. Die Inkubationszeit (die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit) beträgt zwischen zwei und acht Tagen (bis 20 Tage). Enges Zusammenleben (Schule, Kinderhort, Kaserne, usw.) begünstigt die Ausbreitung des Erregers. Ein positiver Rachenabstrich ist noch kein Beweis für die Kontagosität (Übertragungsfähigkeit eines Erregers). Viele Gesunde tragen den Keim unbemerkt in sich (bis 20 %). Säuglinge unter sechs Monaten besitzen den Nestschutz von der Mutter. Erwachsene können sich infizieren, selbst wenn sie Scharlach bereits einmal hatten. Eine Immunität wird nur gegen das bei der vorherigen Infektion vorherrschende Toxin erzeugt. Da es mehrere Arten von Scharlach auslösenden Streptokokken gibt, ist niemand davor gefeit mehrmals zu erkranken. Bei Antibiotikatherapie nach Ausbruch der Erkrankung kann sich keine Immunität gegen den betreffenden Erreger nicht ausbilden. Mehrmalige Scharlachinfektionen werden meist nach normalen Streptokokkeninfekten, insbesondere nach häufiger Antibiotikatherapie beobachtet.

Schluckbeschwerden, röter Rachen und schnell ansteigendes Fieber sind die ersten Symptome. Vom dritten Tage an wird die Zunge glänzend rot, als Himbeerzunge bezeichnet. Gleichzeitig bildet sich ein charakteristischer Scharlach-Hautausschlag, der in der Leistengegend oder unter den Achseln beginnt und sich dann über fast den gesamten Körper ausbreitet. Der Mund-Kinn-Bereich bleibt üblicherweise verschont (Milchbart, oder auch als periorale Blässe bezeichnet). Nach drei bis fünf Tagen verschwindet der Hautausschlag. Ungefähr zwei Wochen später beginnt sich die Haut, vor allem an Händen und Füssen zu schälen (Finger, Zehen). Bis zu acht Wochen kann das Schuppen andauern.

Bei manchen Patienten können nach der Genesung Komplikationen wie Herzmuskelentzündung (Myokarditis), Herzklappenentzündung, Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis) und Polyarthritis (Entzündung mehrerer Gelenke) auftreten.

Im Gegensatz zu Röteln hat Scharlach bei einer schwangeren Frau keine schädigende Wirkung auf das ungeborene Kind.

Differenzierung

  • Streptokokken-Angina (vom Streptococcus pyogenes gibt es über 80 Serotypen, die sich durch die Antigenität des Oberflächenproteins M unterscheiden).
  • Röteln
    • Leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Husten und Schnupfen. Die Halslymphknoten und besonders die Lymphknoten im Nacken und hinter den Ohren sind geschwollen. Eine Bindehautentzündung kann hinzukommen. Nach einer Inkubationszeit von 14 bis 21 Tagen ist ein kleinfleckiger Ausschlag zu erkennen, der meist schnell wieder verschwindet.
  • Arzneimittel-Ausschlag
  • Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber)
    • Starke Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, Rachenentzündung. Mandelentzündung mit gelblich-weissen Belägen.
    • Lymphknotenschwellung, vor allem an Hals, Achseln und Leisten.
    • Fieber
    • Müdigkeit, Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit.
    • Glieder- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen.
    • Kleine Hautrötungen (feinfleckiger Hautausschlag) nur bei ca. 5%.
  • Herpangina. Bläschen die aufplatzen und zu kleinen flachen Geschwüren mit dunkelrotem Hof werden. Sie schmerzen beim Essen und Trinken. V.a. am Gaumenbogen, manchmal auch an Mandeln. Manchmal Fieber, Abgeschlagenheit, oft Erbrechen und Kopfschmerzen.
  • Hand-Mund-Fuss-Krankheit (wie die Herpangina durch Coxsackie-A-Viren hervorgerufen). Leichtes Fieber. Bläschen im Mund-Lippen-Bereich, an den Handflächen und Fusssohlen, der dann übergeht in 1–3 mm grosse Bläschen mit einem schmalen roten Rand. Eventuell Bauchbeschwerden, Erbrechen
  • Masern
    • Vorstadium 3-4 Tage: Conjunctivitis, Lichtempfindlichkeit, Nasen- und Bronchialkatarrh, Schnupfen, Heiserkeit, Husten.
    • Pulsfrequenz und Hauttemperatur sind nur mässig erhöht.
    • Hautausschlag: Kleine rote, rundliche Flecken, welche schwach über der Haut erhaben sind und nur an wenigen Stellen zu grösseren ungleich erhabenen Flecken zusammenfliessen. Der Ausschlag beginnt zuerst im Gesicht aus. Abschuppung in feinem, weisslichem Pulver. Mit dem Ausbruch des Exanthems schwinden die allgemeinen Symptome.

Symptome Scharlach

Der normale Scharlach steht deutlich vier Tage lang, in den ersten beiden Tagen erreichen Hautröte und allgemeine Symptome ihren Gipfel. In den zwei letzen Tagen nehmen sowohl die örtlichen, als auch die allgemeinen Erscheinungen wieder ab. Die Angina verschwindet spurlos, das Exanthem (Hautausschlag) erblasst, und das Fieber beschränkt sich auf immer schwächer werdendes abendliches Fieber.

Die Schuppung (Desquamation) des Hautausschlag beginnt gewöhnlich gleich nach dem Erblassens des Exanthems, kann sich aber auch bis zwei Wochen später verzögern, was besonders dann stattfindet, wenn die Genesung durch Zahnen, Katarrh, Bronchitis oder durch Unterdrücken des Hautausschlages mit Kälte, Fiebermedikamenten, Antibiotika unterbrochen wird.
Leicht verlaufender Scharlach ist möglich, erst das Abschälen der Haut führt dabei nachträglich zur Diagnose.

  • Vorläuferstadium 1-3 Tage: Frösteln (abwechselnd Hitze und Kälte), aber auch Schüttelfrost, erhöhte Hauttemperatur, starker Durst, Appetitmangel, Übelkeit.
  • Plötzliches starkes Krankheitsgefühl mit Kopf-, Bauch-, und Gliederschmerzen, hohes abendliches Fieber, heisser Atem, Kopfschmerzen Hals- und Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Reizhusten, Bindehautentzündung (Conjunctivitis). Bei plötzlichem Fiebereintritt ist auch Erbrechen möglich.
  • Rötung des hinteren Abschnittes der Mundhöhle, des Gaumensegels, der Mandeln und Schwellung der Mandeln. Weiche, geschwollene Lymphknoten am Hals/Kieferwinkel welche bei Berührung schmerzen.
  • Am zweiten bis dritten Tag beginnt der Hautausschlag (Exanthem). Dieses überzieht meist den ganzen Körper mit stecknadelkopfgrossen Flecken, wie eine rote Gänsehaut. Er beginnt am Halse, Brust, Rücken, unter den Armen und Beine, besonders in den Leistenbeugen. Rotes Gesicht, rote Lippen, Blässe um den Mund. Wenn mit einem spitzen Gegenstand eine Linie auf der Haut gezogen wird, bleibt die Linie bei Scharlach sekundenlang weiss. Bei Masern hingegen wird sie sofort wieder rot. Selbst wenn der Ausschlag nicht herauskommt, hinterlässt ein Fingerdruck auf der Haut eine weisse Stelle. Je langsamer diese Verzögerung ist, desto bösartiger ist der Scharlachtyp (träge Blutzirkulation). Gesunde gut genährte Kinder werden krebsrot, je kränklicher, je anämischer (blutarmer)  die Kinder vor der dem Scharlach waren, um so weniger entwickelt sich die Scharlachröte. Abends oder beim Schreien wird die Rötung dunkler. Das Exanthem ist in der Regel am 4. Tage vollkommen verschwunden.
  • Nach zwei bis fünf Tagen nimmt der Ausschlag ab, hinterlässt bei vielen Kindern aber eine deutliche körperliche Schwäche über Tage. In der dritten Woche kann es zu einer Abschuppung/Abschälung der Haut an Fingern und Zehen kommen. Das gleiche geschieht an den Schleimhäuten, die Kinder räuspern sich und husten einen trüben Schleim aus.  Der Harn wird trüb und es kommt zu schleimigen Stühlen, mit penetrantem Geruch (wie nach Aas).
  • Fieber und Angina dauern während des Hautausschlages fort. Der Gaumen ist gerötet, ebenso die Mandeln. Sie sind oft mit gelben, eitrigen Stippchen belegt. Es besteht ein unangenehmer Mundgeruch. Die Zunge ist zunächst weiss belegt wird nach zwei bis drei Tagen aber an den Rändern und an der Spitze glänzend rot. Man spricht von der „Erdbeerzunge“, beziehungsweise „Himbeerzunge“. Die Lymphknoten im Kieferwinkel sind druckempfindlich, schmerzhaft.

Komplikationen: Spätfolgen von Scharlach-Infektionen können in seltenen Fällen das akute rheumatische Fieber mit Herzbeteiligung (Herzklappen, Herzmuskel) sowie die akute Nephritis/Glomerulonephritis (Nierenentzündung) sein.

  • Glomerulonephritis: 1-3 Wochen nach Streptokokkeninfekt auftretende Nierenentzündung mit morgendliche Augenlidschwellung, Harnverhalten, rötlich-braun verfärbtem Urin, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, erhöhtem Blutdruck. Die Glomerulonephritis heilt in mehr als 90% spontan und folgenlos aus. In 50% der Fälle verläuft die Krankheit sogar asymptomatisch, d.h. ohne jegliche Beeinträchtigung bei den Betroffenen.
  • Rheumatisches Fieber: 1-5 Wochen nach Racheninfektionen mit  Fieber, Gelenkentzündung an mehreren Gelenken mit extremer Berührungsempfindlichkeit (v.a. grosse Gelenke), sehr selten mit Herzklappenschädigung. Die Gelenkbeschwerden bilden sich spontan (ohne Behandlung) innert drei Wochen zurück. Bei 75% der Patienten heilt die Herzmuskelentzündung mit der möglichen Herzklappenschädigung spontan aus. Definitive Herzfehler durch Schrumpfung der Herzklappen entstehen erst durch Rezidive.Bei rheumatischen Fieber wird leider nicht unterschieden zwischen unbehandelten und mit Antibiotika behandelten Scharlach-Patienten. Es gibt Untersuchungen die nahelegen, dass Komplikationen mit und ohne Antibiotikabehandlung gleich selten auftreten. Patienten die ein rheumatisches Fieber entwickelt haben, hatten in der Vorgeschichte meist überhaupt keine Halsschmerzen.

Behandlung klassische Homöopathie

Eine Streptokokken-A-Angina und Scharlach ist nicht ganz das gleiche. Von über 100 Unterarten der hämolysierenden Gruppe A-Streptokokken gibt es nur 3 Arten die ein Gift entwickeln, welches als Verursacher des echten Scharlachs mit Hautausschlag verantwortlich ist. In allen anderen Fällen beschränken sich die Erkrankungen auf den Mund- und Rachenraum mit Mandelentzündung, und es liegt kein Scharlach vor. Etwa 50 % der Infektionen bei Scharlach verlaufen asymptomatisch oder nur mit leichten Symptomen.

Um den Scharlach, beziehungsweise seine Symptome behandeln zu können, muss man diese Infektionskrankheit kennen. Scharlach ist nicht eine einfache Hautkrankheit, oder gar eine Kinderkrankheit im üblichen Sinne, sondern vielmehr eine Allgemeinerkrankung. Schwer verläuft  der Scharlach wenn die Ernährung, Krankenpflege, Wohnverhältnisse und der geschwächter Allgemeinzustand (z.B. durch vorgängige unterdrückende Behandlungen von Krankheiten) nicht ideal sind. Ein Scharlach kann auch gefährlich werden, wenn eine extreme Unterkühlung vorausgeht. (s. Scharlachkomplikationen). Insbesondere sind Menschen betroffen, die sich in einer belastenden Situation befinden und unter Stress stehen. Der Körper holt sich gewissermassen eine Auszeit.

Man unterteilt Scharlach in drei Erscheinungsformen. Bei manchen Epidemien begegnet man allen drei Formen, mitunter zwei von ihnen gleichzeitig in einer Familie.

Scarlatina simplex

  • Milder, unkomplizierter Verlauf, mit charakteristischem Ausschlag der rasch erscheint, wenig Fieber.
  • Die Haut ist glatt, glänzend, leuchtend helles Rot.
  • Mit guter Pflege, ausreichender Zimmertemperatur und warmer Bekleidung ist der Verlauf gut.

Scarlatina anginosa

  • Die Mehrzahl der Fälle hat ausgeprägte Halsbeschwerden. Der ganze Rachenbereich ist geschwollen und entzündet, tiefrot und sehr schmerzhaft.
  • Der Hautausschlag (Exanthem) ist, wenn überhaupt nur spärlich vorhanden.
  • Es kommt zu einem Blutandrang zum Kopf, spinale Symptome wie Nackenschmerzen treten auf.

Scarlatina maligna

  • Der Rachen und die übrigen Schleimhäute sind stark geschwollen, der Verlauf geht in Richtung Sepsis (durch Bakterien ausgelöste systemische Entzündungsreaktion mit Fieber, Hautreaktionen, beschleunigter Herzschlag und beschleunigte Atmung, Blutdruckabfall bis Organversagen).
  • Es besteht beträchtlicher Mundgeruch (Foetor).
  • Vergrösserte Lymphknoten.
  • Die Haut ist aufgedunsen.
  • Die Haut ist dunkel gefärbt, der Ausschlag spärlich, manchmal von Anfang bis Ende der Krankheit kaum sichtbar. Sepsisbedingte Blasenbildung, besonders an den Fingerspitzen, höchst unangenehme Körperausdünstung. Geschwüre an den Stellen, wo die Blasen aufbrechen.

Scharlachkomplikationen

Die Erfahrung in homöopathischen Praxen lehrt, dass Kinder nach der homöopathischen Behandlung selten erneut Scharlach bekommen, nach Antibiotika aber öfters Rezidive (immer wieder Scharlach) und manchmal auch Anämie, unruhige Beine durch Eisenmangel, Schwäche. Tatsächlich muss man sich fragen, warum einige Patienten nach dem Scharlach Komplikationen bekommen, während andere Streptokokken dieses Bakterium womöglich ein Leben lang mit sich tragen ohne zu erkranken. Gerade in der Kinderheilkunde sollte doch die Lebenskraft gestärkt werden auch wenn man dabei die Zumutbarkeit des Krankseins in Kauf nehmen muss.

Ein Kind mit Scharlach braucht Ruhe und gute Betreuung. Man behandelt in der klassischen Homöopathie keine Streptokokken, sondern kranke Menschen. Wenn sich die Eltern gegen Antibiotika entscheiden, muss das Kind ebenso eng begleitet werden wie ohne Antibiose.

Scharlach kann homöopathisch behandelt werden, wenn auch mit einigen Einschränkungen. Die Kinder müssen zu Hause bleiben und dürfen keinesfalls kalt bekommen. Kein Bad, kein (kaltes) Waschen (wenn, dann mit einer lauwarmen Salzlösung). Wenn möglich keine fiebersenkenden Medikamente (s. unten). Ruhe und zusätzlich Nierenwickel welche die Ausscheidungsvorgänge fördern unterstützen die Genesung. Die Kinder können erst wieder mit anderen Kindern zusammen sein, wenn sie wieder gesund sind (oder wenn der Rachenabstrich negativ ist).

Das Scharlach-Rezidiv,wo es zur Nephritis (Nierenentzündung) und Herzmuskelentzündung, beziehungsweise rheumatischem Fieber kommen kann, treten nicht schicksalhaft oder zufällig auf, sondern sind Folgen von Umständen wie kalte Wohnungen, mangelnde Krankenpflege (Lebensumstände in ärmeren Ländern),  medikamentöser Behandlung des Kranken mit fiebersenkenden Medikamenten, kaltes Waschen. Der Hautausschlag ist nämlich fas nur beim ersten Auftreten des Scharlachs zu sehen, später geht die Krankheit nach „innen“, die Halssymptomatik (eitrige Angina), Mittelohrentzündungen, Nebenhöhlenentzündungen, Schwäche überwiegen hier.

Während einer Streptokokkeninfektion ohne Antibiotikatherapie bilden sich Antikörper gegen die Streptokokken aus, wodurch eine erneute Infektion gegen den gleichen Erreger verhindert wird. Bei sofortiger Antibiotikatherapie nach Ausbruch der Erkrankung kann sich eine Immunität gegen den Erreger hingegen nicht ausbilden. Durch eine antibiotische Behandlung erreicht man ausschliesslich eine Reduktion der Krankheitsdauer (1 – 2 Tage versus 1-2 Wochen) und der Ansteckungsdauer (24 Std. versus 6 – 20 Tage). Antibiose (medikamentöse Behandlung mit Antibiotika) bedeutet aber potenzielle Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen (z.B. Allergien, Unruhezustände, Darmpilze (Candida albicans), Durchfall, Nesselfieber, Resistenzbildung, teuere Behandlungskosten, Rezidivneigung (schnelle Wiederansteckung).

Voraussetzung für eine homöopathische Behandlung ist eine genaue Anamnese (Fallaufnahme) der Beschwerden. Scharlach zeigt sich, wie jede andere Krankheit bei den Patienten mit unterschiedlichen Symptomen. Und dies ist dann auch die Stärke der Homöopathie, weil hier individualisiert wird. Keinesfalls darf bei der Behandlung Fieber unterdrückend behandelt werden oder der Ausschlag wegbehandelt werden. Man kann das Kind aber begleitend behandeln, die Lebenskraft stärken. Hilfreich ist:

  • Ruhe in der ersten Krankheitswoche. Kein Sport für vier Wochen.
  • Keine Kälte.
  • Wenn möglich kein Fiebersenken siehe Fieber. Steigt das Fieber und ist das Kind dadurch belastet, dann können Abwaschungen mit Wasser (nicht unter 25 °C), etwas abgeleitet werden. sie können auch etwas Zitronensaft oder etwas Essig dazugeben. Mit einem ausgewrungenen Waschlappen schnell Hände und Arme, Füsse, Beine, Bauch und Rücken Richtung Herz abreiben. Danach schnell ein neuen Schlafanzug anziehen (ohne abzureiben) und das Kind in das warme Bett legen (evtl. mit Wärmeflasche vorwärmen). Wenn Sie ihm noch Lindenblütentee mit Holundersaft geben (1 EL Lindenblüten und 1 TL Holundersaft, Tee möglichst warm trinken). Wenn das Kind schlapp ist und einen langsamen Puls hat, darf der Tee jedoch nicht gegeben werden, weil er Fieber anregend wirkt.
  • Leichte Kost (kein Fleisch) im Fieberstadium; Tee; verdünnte Obstsäfte.
  • Gurgeln mit lauwarmem Salbei-Tee; Quark-Wickel; Salz-Wickel.
  • Nierenwickel
  • Um einer Ansteckung vorzubeugen Hände waschen, andere Kinder nicht zum kranken Kind lassen.

Hatte der Patient schon mehrmals eine Streptokokkenangina muss der gesamte Krankheitsverlauf beachtet werden, damit die Bereitschaft, immer wieder daran zu erkranken aufhört.

Tipps

  • Bettruhe. Viele Kinder fühlen sich sehr müde, reagieren empfindlich auf Licht, sorgen Sie für einen abgedunkelten Raum.
  • Wegen des Fiebers genügend trinken, Schonkost (Gemüsesuppe; kein Fleisch).
  • Solange Beschwerden bestehen, ist das Kind ansteckend.

Tipps aus der Naturheilkunde

  • Wenn es notwendig: Der Allgemeinzustand ist entscheidend! siehe Fieber
    • Fiebersenken mit Essigsocken, Wadenwickel.
    • Aus homöopathischen Gesichtspunkten sollten die Wickel nicht mit kaltem Wasser gemacht werden, weil dies den Hautausschlag „unterdrücken“ können. Besser sind Abreibungen mit nicht kaltem Salzwasser, oder Essigwasser.
  • Halswickel (Quark-Wickel; Wasserwickel) gegen die Schwellung der Drüsen (Tuch mit lauwarmem Wasser anfeuchten, um den Hals legen, darüber ein trockenes Tuch und einen Wollschal schlingen).
  • Gurgeln mit Salbei-,  oder Kamillen-Tee.

Behandlung Schulmedizin

Diagnose:

  • Schnelltest (ist nicht so sicher). Im Rachen-Schnellabstrich können leider nur Streptokokken selbst nachgewiesen werden, nicht jedoch ob der Streptokokkus pyogenes auch durch den Bakteriophagen infiziert wurde und somit das Gen für die Toxinproduktion trägt. Zu bedenken ist, ein positiver Rachenabstrich nach überstandenem Scharlach ist noch kein Beweis für die Kontagosität (Übertragungsfähigkeit eines Erregers). Zwischen sechs und 20 % der Bevölkerung sind asymptomatische Streptokokkenträger (obwohl sie kein erhöhtes Krankheitsrisiko haben und keine Gefahr für Kontaktpersonen sind). Ein positiver Rachenabstrich ohne klinische Symptome bedarf somit keiner Therapie.
  • Bakterienkultur
  • Antikörpernachweis. Bei Verdacht auf eine Streptokokken-Folgeerkrankung. Wichtig ist vor allem der Nachweis von Anti-Streptolysin-O Antikörpern und von Anti-DNase-B Antikörpern.

Eine routinemässige Urinkontrolle um eine Nierenentzündung (Nephritis) zu suchen, ist nicht indiziert, weil 70-90% der Fälle spontan ausheilen und der Urin bei Scharlach Erythrozyten, Eiweiss enthält.
Aber: Bei erneuten Symptomen mit Krankheitsgefühl, Bauch-, Rückenschmerzen, Blut im Urin, Ödeme, Blutdruckerhöhung (Kopfschmerzen), usw. sollte an eine akute Nephritis gedacht werden und entsprechend behandelt werden (z.B. Urinkontrolle, Ultraschall).

Behandlung

  • Schmerzlindernde Lutschtabletten und Gurgellösungen.
  • Eine „banale“ Streptokokken Angina muss nicht zwingend antibiotisch therapiert werden. Bei sicherer Diagnose Scharlach: Penicilin; Antibiotika für zehn Tage (hauptsächlich um Komplikationen des Scharlachs zu vermeiden). Die konsequente und genügend lange Einnahme der Antibiotika verhindert Folgekomplikationen. Bereits zwei bis drei Tage nach der ersten Einnahme besteht kein Ansteckungsrisiko mehr. Kinder dürfen, sofern es der Allgemeinzustand erlaubt, nach einer Woche wieder in die Schule gehen. Sie sollten sich allerdings nicht körperlich belasten und dem Sportunterricht fernbleiben.