Neurodermitis

siehe auch Allergien; Hauterkrankungen; Milchschorf

Der Begriff „Neurodermitis“ leitet sich aus dem Griechischen ab: Neuron = Nerv, Derma = Haut, -itis = Entzündung.

Verschiedene Krankheitsbezeichnungen: Atopische Dermatitis; Atopisches Ekzem (atopisch = anfällig für Allergien); Endogenes Ekzem (endogen = von innen kommend).

Bei der Neurodermitis handelt es sich um eine schubweise auftretende, chronische Entzündungsreaktion der Haut mit starkem Juckreiz. Die Hautsymptome sind von Patient zu Patient sehr verschieden. Auffallend ist, dass Neurodermitis in den letzten Jahren sehr stark zugenommen hat. Besonders häufig sind Kinder betroffen. Zum Teil tritt die Neurodermitis in Kombination mit  anderen allergischen Reaktionen wie Heuschnupfen, allergisches Asthma auf. Eine Neurodermitis kann durch unterdrückende Massnahmen verschwinden, taucht später aber meist wieder auf. Eine Neurodermitis ist schulmedizinisch nicht heilbar.

Ursachen

  • Vererbung: Meist leidet ein Elternteil auch an Neurodermitis, Heuschnupfen, Ekzemen oder Asthma.
  • Allergien (Nahrungsunverträglichkeiten, Aromastoffe, Duftstoffe, Farbstoffe, Formaldehyd, Hausstaubmilben, Holzschutzmittel, Insektizide, Lösungsmittel, Metalle, Nahrungsmittel, synthetische Stoffe, Tierhaare, Wolle, usw.).
  • Durch seelische, psychische Ursachen.
  • Manchmal tritt die Krankheit auch nach Virusinfektionen auf.
  • Hormonelle Umstellungen.
  • Übersäuerung
  • Impfungen

Auslöser

  • Impfungen
  • Amalgambelastung (bei Kindern über die Mutter).
  • Pilzbefall im Verdauungstrakt (Amalgambelastung durch die Mutter, Antibiotika, Impfungen, Hormone /Verhütungsmittel der Mutter).
  • Haustiere, Federbett, Schafwolle, Lammfell, Rosshaarmatratze, Wollkleidung, Hautpflegeprodukte, Milch, bzw. tierische Eiweisse (tierische Eiweisse kommen auch in Impfstoffen vor).
  • Zu warme Kleidung.
  • Überhitzte Räume.
  • Schwimmen (Chlor).
  • Stress; starke Emotionen wie Eifersucht, Trennungsschmerz (Scheidung Eltern), Trauer, Heimweh, usw.
  • Übersäuerung (begünstigt die Bildung von freien Radikalen, was die Tätigkeit von Enzymen und die Verwertung der Vitalstoffe aus der Nahrung. einschränkt).

Symptome

  • Die Krankheit verläuft schubweise.
  • NeurodermitisEine zu den Ekzemen zählende, entzündliche, chronische Hautkrankheit, verursacht durch verschiedene Faktoren (u.a. Umveltfaktoren, vegetatives Nervensystem und einer erblichen, verminderten Produktion von Hautfett (y-Linolensäure)). beginnt oft im frühen Kindesalter mit Juckreiz, Rötung, Schuppung, Nässen, Krustenbildung der Haut (die Hautsymptome sind von Patient zu Patient unterschiedlich). Betroffen ist der behaarte Kopf (Milchschorf), Augenbrauen, Schläfen, Wangen, Hals, Nacken, Brustbereich, Knie- und Armbeugen, Hand- und Fussrücken.
  • Ein Hauptkennzeichen der Neurodermitis ist der heftige Juckreiz und eine trockene, raue, rote, entzündete Haut. Manchmal treten auch gelbliche oder rotbraune Knötchen auf, die zu Bläschen mit wässrigem Inhalt werden. Das starke Kratzen verschafft zwar vorübergehende Erleichterung, der Juckreiz wird dann aber noch schlimmerer (v.a. nachts; durch Schwitzen). Durch das Kratzen entstehen Kratzwunden, die Haut schwillt rot an.
  • Während bei jungen Menschen die Haut durch die Entzündung häufig gerötet ist, zeigen sich im Laufe der Jahre baumrindenartige Vergröberungen der trockenen und verdickten Haut. Man bezeichnet diese Veränderung als Lichenfikation. Später ist die Haut, v.a. auf der Stirn, den Augenlidern, am Hals, an den Beugeseiten von Armen und Beinen, sowie an Hand- und Fussrücken vergröbert und oft mit kleinen Knötchen durchsetzt. Die Betroffenen leiden an trockener, schuppender Haut der Handflächen und Fusssohlen. Bei Wasserkontakt kommt es zu stark schuppenden Entzündungen und verstärkter Riss-Neigung. Die Finger werden durch die Entzündung dick und können kaum mehr gebeugt werden. Varianten des atopischen Ekzems können sich auch durch entzündete Lippen, Mundwinkelrisse, Rissen an den Ohrläppchen (Rhagaden), seitliche Ausdünnung der Augenbrauen, Ekzeme der Brustwarzen oder schuppende Risse im Bereich der Finger, Zehenkuppen äussern. Stark juckende Knötchen und Bläschen mit wässrigem Inhalt, befinden sich z.B. an den Fingerseiten, Handflächen. Diese Minimalform der Neurodermitis heisst dyshidrotisches Ekzem.
  • Bettwärme, Aufregung, Müdigkeit verschlechtern den Juckreiz.
  • Wird mit einem Gegenstand eine Linie auf der betroffen Haut gezogen, zeigt sich eine streifenförmige weisse Linie (weisser Dermographismus).
  • Verstärkte Zeichnung der Handlinien.
  • Bakterielle Superinfektionen, Pilzinfektionen.
  • Der Darm ist bei Hauterkrankungen fast immer in Mitleidenschaft gezogen. Durchfall, schwere Verstopfung und Pilzbefall (z.B. auch Soor) kommen bei Neurodermitis-Patienten häufig vor.
  • Je jünger das Kind, desto seltener finden wir Gemütssymptome. Andererseits regieren auch Säuglinge häufig mit Unruhe, Schreien, Weinen, Essunlust, Schlafstörungen im akuten Schub. Grössere Kinder reagieren mit Anhänglichkeit, Jammern, Weinen.
  • Bindehautentzündungen.
  • Doppelte Unterlidfalte.
  • Spärlicher Haarwuchs an den Aussenseiten der Augenbrauen (v.a. ab dem Kindergartenalter).
  • Erhöhte Immunglobulin-E-Werte im Blutserum.

Klassische Homöopathie

siehe auch auf dieser Website: Dossier Impfungen;

Leider sind oberflächliche Hautbehandlungen, die Beseitigung von Hautsymptomen da Therapieziel in der Medizin. In der Ganzheitsmedizin hingegen sind Hautausschläge ein Zeichen dafür, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Was den Organismus stört, was er, bzw. die innere Lebenskraft über den Hautausschlag ausdrücken will, das gilt es bei der homöopathischen Behandlung herauszufinden. Im Praxisalltag sehe ich immer mehr Babys  und Kinder mit Milchschorf, Windelausschlag, Soor, Neurodermitis. Nicht immer, aber oft können Impfungen dafür verantwortlich gemacht werden. Impfungen werdenbei der Fallaufnahme daher immer öfters zu einem wichtigen Gesprächsthema. Auffallend ist bei Neurodermitis, dass vorgängig unterdrückende Behandlungen von körperlichen Beschwerden (Fieber, Ohrentzündungen, usw.) stattfanden und dass mindestens ein Elternteil oder direkte Angehörige eine Allergie haben. Manchmal besteht bei einer Neurodermitis auch ein Pilzbefall (Koliken und Blähungen, Windeldermatitis).
Eine Hauterkrankung wie die Neurodermitis ist Höhen und Tiefen unterworfen. Äusserlichen Behandlungen (Salben mit Kortison, usw.) oder Einnahme von Kortison können das Hautbild manchmal zum Verschwinden bringen, oder lindern. Für einen Homöopathen bedeutet dies, dass dies mit grösster Vorsicht zu geniessen ist, eine Heilung der Haut geht meistens auf Kosten des Allgemeinbefindens.  Man sieht danach sehr oft sogenannte  „Krankheitsreisen“. Es folgen dann gehäuft Infektanfälligkeit mit Mittelohrentzündungen, chronische Bronchitiden, Heuschnupfen, Pseudokrupp, Asthma, Nebenhöhlenentzündungen, Blinddarmreizungen.  Leider werden die neuen Erkrankungen aber nicht mit den unterdrückenden Behandlungen der Neurodermitis in Verbindung gebracht, das Kind wird aber immer kränker und kränker.

Schulmedizinisch ist Neurodermitis nicht heilbar.Der Zusammenhang zwischen Innen und Aussen wird bei ihr nicht erkannt. In der klassischen Homöopathie haben wir hingegen durch Dr. Samuel Hahnemann ein geniales Behandlungskonzept und Heilsystem. Hahnemann lehrte schon vor über zweihundert Jahren, dass Hauterkrankungen niemals lokale Erkrankungen sind. Sie sind immer ein Ausdruck einer inneren Erkrankung. Sie werden deshalb von „innen geheilt“. ÄussereAnwendungen dürfen die Ausscheidungsfunktion der Haut niemals einschränken (Zink, Oxyplastin, Excipial).

Bei der Diagnose Neurodermitis erschrecken Eltern meist zutiefst. Beruhigen kann ich sie dann damit, dass Hautauffälligkeiten noch nicht ein Ausdruck einer  chronischen Krankheit sind, sondern nur ein Hinweis dass etwas nicht stimmt. Chronifiziert wird die Krankheit erst, wenn die Krankheitssymptome von der Haut wegtherapiert werden (ob homöopathisch, schulmedizinisch oder naturheilkundlich spielt keine Rolle), ohne die „innere Krankheit“ zu behandeln.
Die klassische Homöopathie hat daher  einen ganzheitlichen Ansatz für die Heilung. Die Suche nach eigentümlichen und individuellen Symptomen ist aber nicht immer ganz einfach. Nicht immer gelingt es Besonderheiten, d.h. individuelle Symptome  für die Arzneimittelbestimmung auf Anhieb zu erkennen. Je nach Alter des Kindes hat man das Problem, dass sie sich noch nicht verbal äussern können. Ein Säugling kann halt noch nicht beschreiben, wie sich das mit der Haut anfühlt, oder wann der Juckreiz am schlimmsten ist, oder was ihm denn Linderung verschafft. Mit einiger Übung, Erfahrung und Einfühlungsvermögen ist aber auch dies kein Problem. Ich staune immer, wie viel kleine Babys schon „erzählen“ können. Eine homöopathische Behandlung ist auch nicht einfach für die Eltern. Von ihnen wird auf einmal Vertrauen, Geduld und Einfühlungsgabe abverlangt. Ich erlebe aber immer wieder, wie schnell  sie lernen Reaktionen und Verhaltensweisen ihres Kindes im Zusammenhang mit der Krankheit wahrzunehmen. So werden lokale Hautsymptome mit der Zeit weniger wichtig. Anhand der Verbesserung des Allgemeinzustandes nehmen sie die Heilwirkung war (der Juckreiz geht zurück, das Kind kann schlafen, der Stuhl normalisiert sich, das Kind kann endlich fiebern, die chronischen Mittelohrentzündungen hören auf,   usw.).

Zusammenfassung

  • Eine Behandlung bedarf immer einer sehr guten Zusammenarbeit zwischen dem Elternhaus, Patienten und mir. Rückmeldungen sind sehr, sehr wichtig. Aussagen, es habe sich nichts verändert müssen genau hinterfragt werden. Bei der richtigen Arzneiwahl tut sich immer etwas. Sei dies bei den Allgemeinsymptomen, bei der Haut, oder bei den Begleitsymptomen, usw.
  • Ich lege grossen Wert auf eine gute Aufklärung betreffend Ernährung und Körperpflege. Während der homöopathischen Behandlung sollte man dem Körper möglichst wenige Allergene zuführen, dies verwirrt ihn nur.
  • Es erfolgt immer eine Konstitutionsbehandlung. Die homöopathische Behandlung bezweckt  ja eine dauerhafte Linderung oder Heilung der Neurodermitis. Therapien (auch homöopathische), die nur vorübergehend lindern, unterdrücken oder Symptome verschieben werden nicht eingesetzt. Während der Behandlung sind unterstützende Massnahmen erlaubt, welche aber nur mit Absprache angewendet werden. Sämtliche Symptome des Kindes werden von Kopf bis Fuss aufgeschrieben und die Gemütssymptome erfragt. Dazu werden Auslöser, Lokalsymptome, Lebensmittelverlangen-, und Abneigungen, Temperaturverlangen-, und Abneigung, Klimaabhängigkeit, Schlaf, Kratzverhalten, Begleitsymptome, Modalitäten und besonders charakteristischen Merkmale mit einbezogen. Miasmatische Aspekte sind sehr wichtig. Psorische, sykotische, tuberkulinische und syphilitische Hauterkrankungen unterscheiden sich sehr stark voneinander. Ob ein Ausschlag dem einen oder dem anderen Miasma zugeteilt wird, ist nicht nur bei der Arzneiwahl wichtig, auch nach der Arzneigabe muss ein Homöopath eine miasmatische Heilreaktion richtig deuten können.
  • Eine Neurodermitis, welche noch nicht lange besteht, und noch wenig unterdrückende Behandlungen erfahren hat, ist in der Regel leichter homöopathisch zu behandeln. Deshalb sprechen kleine Kinder besonders gut auf die Behandlung. Die Zeit bis zur Heilung ist verschieden lang (wenige Wochen, Monate, oder 1-2 Jahre). Die Heilung ist abhängig von der Miasmatik (eigene Empfänglichkeit für Krankheiten) aber auch durch die Familie (Krebs, Fehlbildungen, neurologische Erkrankungen, Depressionen, Suizide). Ungeimpfte Kinder haben auch eine bessere Prognose auf schnellere Heilung als geimpfte.
  • Die Dosis des zu heilenden Arzneimittels muss besonders zu Beginn der Behandlung vorsichtig bestimmt werden, um zu starke Erstverschlimmerungen zu vermeiden. Deshalb sind die Rückmeldungen, bzw. Folgekonsultationen besonders wichtig.
  • Nach dem Arzneimittel kann sich die Haut vorübergehend verschlimmern. Nach der Arzneigabe sollte man aber anhand bestimmter Reaktionen die Heilwirkung beobachten können (Hering’sche Regel): Von innen nach aussen (z.B. Besserung der Gemütsebene; die Verstopfung bessert sich und zum Schluss bessert sich die Haut). Von oben nachunten (z.B. bessert sich die Neurodermitis zuerst am Kopf, dann in der Leistengegend, dann an den Kniekehlen und an den Füssen). In der umgekehrten Reihenfolge ihres Auftretens  (die zuletzt aufgetretenen Symptome besser sich zuerst, dann diejenigen die davor aufgetreten sind). Der Körper hält sich nicht immer genau an diese Regel, eine Hilfestellung ist sie aber allemal. Eine Reise durch früher gehabte Krankheiten ist möglich, frühere Symptome melden sich kurz  (dies sind Heilreaktionen, die nicht behandelt werden dürfen), verschwinden dann wieder. Entscheidend bei der Verlaufsbeurteilung ist das gesamte Wohlbefinden.
  • Die Haut auch nach einer erfolgreichen homöopathischen Behandlung oft weiterhin der Schwachpunkt des Kindes. Der Juckreiz kommt z.B. wieder, wenn psychische Probleme, Stress vorhanden sind. Oder die Neurodermitis flackert wieder auf, wenn Fieber unterdrückt werden (z.B. bei einer Kinderkrankheit). Die Haut des Kindes wird bei Allergieneigung gewissermassen zum Indikator des Allgemeinzustandes. Die Zeitdauer, wo Symptome wieder aufflackern, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Sie sind u.a. abhängig vom Allgemeinzustand, der allgemeinen Krankheitsgeschichte (z.B. Allergien, organische Erkrankungen), der familiären Belastung (Krankheitsgeschichte der Familie), der Lebenskraft, dem Alter und der Lebensumstände.
  • Impfen: Spätestens beim Auftreten von Hautkrankheiten, Allergien sollten Folgeimpfungen erst mal aufgeschoben werden. Wurde noch nicht geimpft, sollten Impfungen gut überlegt werden oder sicherlich erst die Konstitutionsbehandlung gemacht werden.
  • Bei vorbehandelter Neurodermitis (schulmedizinisch) gibt es zwei strategische Möglichkeiten:
    • Es werden sämtliche Medikamente für zwei Wochen abgesetzt. Anhand der sich entwickelnden Symptome kann dann ein homöopathisches Arzneimittel bestimmt werden.
    • Man erlaubt die schulmedizinische Behandlung begleitend zur Homöopathie. Die Dosierung des homöopathischen Arzneimittels wird dem Zustand des Patienten angepasst und man tastet sich gewissermassen mit verschiedenen Arzneimitteln (unter Umständen in langen zeitlichen Abständen) zur ursprünglichen Symptomatik vor. Bei Verbesserung des Hautzustandes und des Allgemeinzustandes werden die anderen Medikamente ausgeschlichen. Man bedenke aber: Alles was wir auf die Haut auftragen wird von ihr aufgenommen. Eine Salbe wirkt nie nur lokal, auch wenn Ihnen dies immer wieder weisgemacht wird.
    • Kortison:Kortison kann bei schwerer Neurodermitis ein Segen sein. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Heilung der Neurodermitis stattfinden kann. Ich rate den Eltern, nur die allerschlimmsten Stellen mit der Salbe zu behandeln und möglichst wenig zu verwenden (Gesicht und andere dünne Hautstellen müssen ausgespart werden). Kortison darf nie plötzlich ganz abgesetzt werden (die Neurodermitis würde dann gewissermassen „explodieren“). Vielmehr schleicht man die örtliche Behandlung mit Kortison aus. Es wird mit immer schwächeren Salben weitergemacht (z.B. von 2%igen Hydrocortison zu 1%igen Hydrocortison).
    • Immunsuppressive Medikamente wie Elidel, Douglan-Creme, Protopic sind bei Kindern (unter zwei Jahren) mit grösster Vorsicht zu verwenden (Krebsgefahr). Durch die grössere Hautfläche im Verhältnis zum Gewicht nehmen Säuglinge und Kleinkinder noch mehr Wirkstoffe auf!
      Informationen: www.arzneitelegramm.de
    • Erdöl- oder Mineralöl-Fette: Es handelt sich um Abfallprodukte aus der Erdölindustrie (Verwendung finden sie als Schmieröle oder Schneideflüssigkeit) und sie sind preiswerte Stoffe in der Kosmetikindustrie. Sie bilden einen Fettfilm auf der Haut, er fördert das Schwitzen unter dem Film. Der Schweiss wiederum enthält Salzkristalle, welche wiederum das Jucken fördern. Einige Paraffine können sich in der Leber, Niere und Lymphknoten anreichern. Dazu gehören: Vaseline, Petralatum, Paraffin und Paraffinum liquidum, Ceresin, Cera microcritallina, Microcristalline Wax und Mineral-Oil. Propylenglykol gehört ebenfalls in die Gruppe der Mineralöle und wird industriell in Brems- und Hydraulikflüssigkeiten sowie in Frostschutzmitteln verwendet. Als Zusatz für Creme und Haarshampoos wirkt es als Feuchthaltemittel, da es in das Entweichen von Flüssigkeit verhindert. Es kann zu massiven Hautreizungen, Leberanomalien und Nierenschäden führen. Diethanolamin: Wird als Feuchthalter in Hautpflegeprodukten verwendet. Es hat eine haut- und Schleimhautreizende Wirkung, beeinflusst das Hautmilieu, ist hoch allergen und kann zudem das zentrale Nervensystem schädigen.
    • Auch „natürliches“ Fett kann problematisch sein: Lanolin (Wollwachs, Whoolwax), das gelblich-klebriges Fett wird aus dem Fell der Schafe ausgewaschen und an die Kosmetikindustrie verkauft. Leider sind die Felle oft pestizidbelastet. Pestizide sind nicht komplett auswaschbar, da sie sich gerne an Fett binden und so in die Salben und Cremes gelangen (und damit auf die Haut). Für Wollallergiker sind sie unverträglich. Für Rezepturen verwendete Stoffe:  Unguentum molle, Unguentum emulsifificans aquosum und Eucerin cum aqua: Jede dieser Mischungen als Salbengrundlage enthält Erdöl und Lanolin.
    • Vorsicht bei Kamille, Ringelblume (Calendula): Bei entsprechender Allergie kann es zu einer Verschlechterung des Hautbildes kommen. Deshalb immer genau beobachten, ob die Anwendungen vertragen werden.

Tipps

  • Das Kratzen der juckenden Haut macht das Problem schlimmer. Oft kratzen sich die Kinder im Schlaf blutig. Daher die Nägel kurzschneiden, bei Babys eignen sich weiche Baumwollhandschuhe. Beim Jucken kann es helfen die Stellen zu beklopfen oder die Pusteln zu drücken. Die Mutter kann auch versuchen die juckenden Stellen zu massieren.
  • Neue Kleidung immer vorwaschen (Appretur und Konservierungsstoffe werden dadurch entfernt). Enzymfreies, parfümarmes Waschmittel (z.B. Perwoll; Persil sensitiv; Frosch Babywaschmittel). Die Waschtemperatur sollte über 60 % liegen. Unterwäsche mehrmals mit klarem Wasser ausspülen, keine Weichspüler verwenden. Sie können statt eines Weichspülers Essig verwenden. Als Alternative gibt es von Weleda die indische Waschnuss.
  • Verwenden Sie weite, luftige, weiche Kleidung. Geeignete Textilien sind z.B. ungefärbte Baumwolle (ohne Formaldehyd), Baumwolle, Seide, Mikrofaser, feines Leinen. Nähte evtl. nach aussen tragen. Ungeeignet sind: Wolle, Nylon, Polyester, Viskose, grobes Leinen Pelz, Leder.
  • Feuchte Kühle wird besser vertragen als warme Luft.

Ernährung

  • Stillen ist bei allergischer Familienbelastung die beste Ernährung. Die Mutter sollte sich in diesem Fall selber milcheiwessfrei oder zumindest eiweissarm ernähren, Butter und Rahm sind erlaubt. Meiden sollte sie evtl. Eier, Paprika, Schokolade (Milch; Nüsse), Nüsse, rohe Tomaten, Weizen, Sellerie, starke Gewürze, Erdbeeren.
  • Kann nicht gestillt werden, sollte bei Allergieneigung hypoallergene Milch (HA-Milch) gegeben werden.
  • Kuhmilchprodukte möglichst lange vermeiden (Zufüttern mit Milch nicht vor dem sechsten Lebensmonat). Ersatz für Kuhmilch ist Soja-, Hafer- oder Reismilch. Bei einer langen Karenzzeit von Milchprodukten muss evtl. mit Kalzium substituiert werden.
  • Besteht ein begründeter Verdacht auf Nahrungsmittelallergien und die Mutter stillt noch, beginnt man mit einer 3-wöchigen Kuhmilchkarenz für die Mutter. Ist die Haut des Kindes dann besser oder beschwerdefrei, liegt der Verdacht nahe, dass eine Milchallergie oder Milchunverträglichkeit vorliegt (Milcheiweiss oder Milchzucker).
  • Die Breifütterung sollte langsam angegangen werden, pro Woche nur ein neues Lebensmittel einführen. Als erster Brei kann z.B. Brokkoli, Pastinake, Kartoffel, Kürbis, Zucchini gegeben werden. Nach und nach folgen dann weitere Gemüse. Mit ca. acht Monaten darf das erste Getreide gegeben werden, z.B. Reis-, oder Hirseflocken. Obstsaft im Brei hilft dass das Eisen besser aufgenommen werden kann. Für Früchtebreie eignen sind z.B. Birne, Banane. Milchbrei sollte frühestens ab dem neunten Monat gefüttert werden. Er kann  auch mit Mutermilch oder mit H.A. Nahrung zubereitet werden.
  • Bestimmte Nahrungsmittel stehen im Verdacht Neurodermitis zu verschlimmern. Hierzu zählen: Eier, Milch- und Fischeiweiss, Nüsse, Obstsorten wie Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Pfirsiche, Äpfel, Gemüse wie Sellerie, Erbsen, Linsen, Rüebli/Möhre (vertragen manche Kinder nicht), Schweinefleisch. Versuchen Sie, wenn Ihr Kind auf diese Nahrungsmittel mit einer Verschlimmerung der Neurodermitis reagiert, eine einfache Reis- oder Kartoffeldiät. Nach und nach langsam die oben erwähnten Nahrungsmittel austesten.
  • Keine denaturierten Nahrungsmittel wie Weissmehl oder Zucker verwenden. Zucker ist ein Vitaminräuber, er verstärkt auch den Juckreiz. Statt Süssigkeiten ungeschwefelte Trockenfrüchte.
  • Vorsicht bei Weizenprodukten (Ersatz ist Hafer, Dinkel, Reis). Konservierungsstoffe und Farbstoffe lösen oft Allergien aus, deshalb möglichst selber kochen.
  • Bei Fleisch besser Produkte aus Biobetrieben berücksichtigen, Fleischkonsum einschränken (Histamine, Hormone, Antibiotika, Impfungen). Statt Fleisch Tofu und Soja.
  • Zitrusfrüchte, starke Gewürze haben ebenfalls viel Säure und Histamine, Vorsicht bei Erdbeeren, Nüssen. Tomaten und Essig meiden (auch wenn sie die Mutter isst). Als Alternative Balsamico-Essig verwenden.
  • Gute Öle mit einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren verwenden.
  • Getränke mit Phosphaten meiden.

Hautpflege

  • Grundsätzlich entzieht Waschen der Haut Fett und Feuchtigkeit. Deshalb sollte die Haut danach mit einer Feuchtigkeitscreme oder einer Lotion eingerieben werden (z.B. Logona-, Lavera- oder Biomaris-Produkte). Evtl. Produkt-Muster verwenden, es ist von Patient zu Patient unterschiedlich, was vertragen wird!
  • Bepanthen Heil- und Wundsalbe (hat einen hohen Fettgehalt), damit können besonders gereizte Stellen kurzfristig behandelt werden.
  • Rückfettende Badezusätze, statt Seifen besser Syndets verwendet werden. Baden: Einmal pro Woche genügt, das Wasser sollte nur lauwarm sein. Kein Badeschaum, der trocknet aus, als Badezusatz am besten geeignet sind Ölbäder, die nach dem Bad einen feinen Fettfilm auf der Haut hinterlassen. (Siehe unten unter Tipps aus der Naturheilkunde). Haut nach dem Baden nur vorsichtig abtupfen.
  • Tagsüber sollte eine Feuchtigkeitslotion und nachts eine Fettcreme aufgetragen werden (probieren Sie aber bitte aus, was Ihrem Kind gut tut. Fettcremen werden bei feuchten Hautausschlägen nicht immer vertragen, weil die Hautporen durch sie verschlossen werden.
  • Oft verträgt die Haut des Babys die Einmalwindeln nicht (Wärmestau), evtl. Baumwollwindeln verwenden.
  • An die Haut möglichst viel Luft und Licht lassen (aber keine direkte Sonnenbestrahlung). Seien Sie vorsichtig mit Sonnencremes, lassen Sie sich sehr gut beraten, nicht jede Sonnencreme wird vertragen.

Tipps aus der Naturheilkunde

Folgende Ratschläge, zumindest der eine oder andere Tipp kann Ihnen Linderung verschaffen. Die Ratschläge dienen der Hautpflege und zur Linderung des Juckreizes.

  • Öle, z.B. reines Mandelöl oder. Johanniskrautöl (entzündungshemmend und schmerzlindernd): Haut vor dem Baden mit Mandelöl einreiben, oder betroffene Stellen damit betupfen. Manche Kinder mögen die Einreiberei aber nicht, vielleicht ist ein rückfettendes Bad für sie angenehmer.
  • Ölbad mitOliven-,Nachtkerzen-, Mandel-, Lein-,  oder Boretschsamenöl: Geben Sie ca. 15 ml Ölins Badewasser, dazu etwas Kaffeerahm und baden Sie das Kind 10 Min. darin. Das Ölbad hat eine rückfettende Wirkung auf die Haut. Beim Baden werden auf sanfte Weise Krusten und Schuppen abgelöst, der Juckreiz wird gelindert.
  • Kleiebad: 500 g Weizenkleie in 5 l kaltes Wasser geben und ½ Stunde kochen lassen (kann zwei Wochen kühl und dunkel aufbewahrt werden). Den Sud direkt ins Badewasser absieben oder ungesiebt zugeben.
  • Meersalzbäder (nicht bei offener, rissiger Haut) wirken beruhigend bei Juckreiz.
  • Feuchte Hautausschläge: Niemals mit fetten Cremen, Salben eincremen, die Poren werden verschlossen (Schweiss und Ausscheidungsfunktionen über die Haut werden eingeschränkt).
    • Bewährt hat sich das Baden in Eichenrinde (zusammenziehend, lindert Juckreiz, entzündungshemmend, hat eine leicht betäubende Wirkung auf die Hautoberfläche, macht die Haut weicher). 1 EL Eichenrinde in 1 l Wasser zwanzig Min. köcheln lassen und dann ins Badewasser geben. Das Wasser darf nur hellbraun sein. Vorsicht, es kann an der weissen Badewanne braune Ränder geben, deshalb die Kinder in eine Plastikwanne setzen. Nicht länger als 10 Min. baden, Wassertemperatur höchstens 30 °C. Wenn das Kind nicht gut darauf reagiert, diese Anwendung sofort wieder absetzen.
    • Es können auch Schwarzteeauflagen (lauwarm oder kühl) gemacht werden. 3x tägl. für eine halbe Stunde.
  • Juckreiz:
    • Öl-Bad (s. oben)
    • Schwarzteeauflagen (lauwarm oder kühl),  3x täglich für mindestens eine halbe Stunde liegen lassen od. Quarkauflagen.
    • Cardiospermum-Salbe (auch bei nässender Neurodermitis).
    • Aloe Vera Gel.
    • Waschungen mit Essig (1 EL Obstessig in 2-3 l Wasser); Schachtelhalm; Stiefmütterchen.
  • Krusten, Schuppen, starke Entzündung
    • Stiefmütterchen -Tee (Viola tricolor), damit Haut betupfen oder Baden.
    • Auflagenmit Eichenrindensud haben die gleiche Wirkung (können färben).
  • Entzündungen: Kühlende Quarkauflageneignen sich für grossflächige Entzündungen. Bei Verdacht auf Milchallergie od. bereits bekannter Eiweissallergie Quark meiden.
  • Kapseln mit Nachtkerzenöl. Die Gamma-Linolensäure aus dem Nachtkerzensamen setzt am Ungleichgewicht bestimmter Fettsäuren in der Haut an. Nachtkerzenöl gibt es in Form von Kapseln oder Öl, Nachtkerzenöl kann auch mit etwas Wasser oder Saft verabreicht werden.
  • Einnahme von Täglich 1 TL. Leinöl. Leinöl enthält ungesättigte Fettsäuren, welche als Antioxydantien die freien Radikalen entgiften (freie Radikale sind am Stofftransport in die Körperzellen beteiligt).
  • Vitamin A und B-Komplexpräparate, Zink
  • Darmsanierung. Unterstützt werden kann die Stoffwechselsituation durch eine mild durchgeführte Sanierung der Darmflora (z.B. Bio Cult, Symbioflor 1 & 2, Mutaflor). Bei Kindern unter 2 Jahren ist dieses Sanierung jedoch nicht sinnvoll, da die Aufnahme der Darmschleimhaut für die positiven Symbionten begrenzt ist.

Schulmedizinische Behandlung

Allergietestung

  • Bluttest IgE-Serum-Werte. Eine positive Reaktion beweist aber nicht das Vorliegen einer allergischen Erkrankung. Der Test zeigt auf, dass das Immunsystem Kontakt mit der entsprechenden Substanz hatte. Ob die Sensibilisierung allergische Symptome hervorruft bleibt unklar. Dazu benötigt man noch weitere Tests, die Krankengeschichte und die Symptome.
  • Hauttests:
    • Patch-Test/Epikutantest: Pflaster mit Allergenen werden auf die Haut geklebt
    • Prick-Test: Ein Tropfen mit einer Allergenlösung wird auf den Unterarm gebracht und die Haut eingestochen.
  • Ausschliessungsdiät (für Kinder ist eine solche Diät zu Diagnosezwecken sehr belastend und wenn überhaupt, nur in schweren Fällen sinnvoll. Sie kann zu Mangelerscheinungen führen und die Atopie sogar noch verschlimmern).

Behandlung

  • Salben/ Cremes zur Linderung (Salicylsäure, Harnstoff, Teerstoff, Antibiotika, Kortison, Pimecrolismus, Tacrolismus)
  • Antihistaminika (entzündungshemmend, juckreizstillend).
  • Immunsuppressive Medikamente,z.B.  Pimecrolismus (Elidel, Douglan-Creme) und Tacrolismus (z.B. Protopic). Nebenwirkungen: Brennen, Rötung und Juckreiz, besonders zu Beginn einer Behandlung. Auch besteht ein erhöhtes Risiko von bakteriellen Infektionen und Viruserkrankungen (Immunsuppressive Wirkung). Ein erhöhtes Risiko von Tumoren wird diskutiert. (Studien zur Abklärung dieses Risikos wurden in USA und Europa in Auftrag gegeben). Von den Gesundheitsbehörden wurden vorerst Empfehlungen abgegeben, die unter anderem eine Einschränkung für Kinder bis 2 Jahre und bei immungeschwächten Personen vorsehen.