Nesselfieber / Nesselsucht

(Quaddelsucht)

siehe auch Allergien; Neurodermitis

Die Nesselsucht (Urticaria) ist eine rasch eintretende allergische Reaktion auf der Haut. Die Krankheit wird deshalb so genannt, weil sie ähnliche Symptome macht, wie nach einem Kontakt mit der Brennnessel. Typisch ist das stark wechselnde Hautbild mit vorübergehenden (Bläschen) Quaddeln an einzelnen Stellen, oder über den Körper verteilt, Schwellungen, Juckreiz. Sind an der einen Stelle die blassroten bis roten Bläschen oder die Flecken verschwunden, treten sie zuweilen auch an anderen Stellen auf. Die roten Hautstellen werden nach einigen Minuten erhaben (Schwellung), mit einem weissen Zentrum. Die Symptome der Nesselsucht können innerhalb weniger Minuten nach Kontakt mit dem Auslöser, oder aber erst nach Stunden auftreten. Ein Schub kann sich über mehrere Tage oder sogar Wochen erstrecken, es kommen dann immer wieder neue Quaddeln nach.

Bei einer starken Allergie kommt es auch zu einer allgemeinen Reaktion des Körpers mit Schwellung der Lider, der  Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich (Erstickungsgefahr), Schwindel, Herzrasen, Erbrechen, Fieber. Die Gefahr besteht hier, dass es zu einem sogenannten anaphylaktischen Schockzustand kommt (Kollapszustand mit Blutdruckabfall, Atem- und Kreislaufstillstand). Betroffene Allergiker haben für solche Fälle ein Notfall-Allergieset bei sich (Cortison, Adrenalin-Spritze). Je nach Dauer des Hautausschlages wird zwischen akuter und chronischer Nesselsucht unterschieden.

Ursachen

Aufgrund der vielen verschiedenen Ursachen von Nesselsucht kommt es nicht selten vor, dass die Auslöser der Beschwerden nicht ausfindig gemacht werden können. Das Führen eines Tagebuchs kann da helfen, herauszufinden, wann und in welchen Situationen die Urticaria auftritt.

Mögliche Auslöser können sein:

  • Akute Infektionen (Erkältungskrankheiten, Harnwegsinfekte). Als Begleiterscheinung verschiedener Erkrankungen, z.B. bakterielle eitrige Infekte der oberen Atemwege.
  • Virale Erkrankungen.
  • Chronische Zahnwurzelentzündungen, Nebenhöhlen-, Mandelentzündungen. Magendarminfekte durch Heilcobacter pylori; Darmpilze.
  • Medikamente. Unverträglichkeiten durch Penicillin; Acetylsalicylsäure; Ibuprofen;  Blutdruckmittel wie ACE-Hemmer; Betablocker; Entwässerungsmittel; Insulin; Impfungen.
  • Psyche. Stress, psychische Anspannung (zeigen Antihistaminika und Cortison nur wenig Wirkung, kann von einer psychosomatischen Ursache ausgegangen werden).
  • Parasiten (Würmer; Amöben; Lamblien).
  • Eiweiss (Eier, Milch; Fisch; Krustentiere; Muscheln).
  • Histamine in Nahrungsmittel (Käse; Rotwein; Perlwein).
  • Nahrungsmittelzusätze (Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Aromen).
  • Chemikalien (Putzmitteln; Färbstoffe in Kleidern; Insektizide; Waschmittel).
  • Latex
  • Getreide, Mehl, Nüsse, rohe Kartoffeln, Soja, Erdbeeren, Milch, Gewürzglutamat, Tomaten, Milch, Eier, usw..
  • Kosmetika (u.a. auch Sonnencremes).
  • Insektenstiche (Biene; Wespe; Milben; Flöhe).
  • Milben/ Hausstaub; Tier-Haare; Tier-Speichel; Federn;  Quallen.
  • Physikalische Reize (Druck auf die Haut, Reibung der Kleidung; Sonnenlicht, Hitze, Kälte, Wasser). Kälte (unmittelbar durch Kälte, od. wenn sich die Haut nach einem Kältereiz wieder erwärmt).
  • Ansteigen der Körpertemperatur (Cholinergische Nesselsucht), z.B. durch Fieber, scharfes Essen, Sport, heisses Wasser, emotionaler Stress.
  • Metalle (Nickel, Chrom; Amalgam).
  • Pflanzen (Pollen; Nesselhaare; Duftstoffe).
  • Schimmelpilze
  • Schwangerschaft. Manchmal hat die werdende Mutter aber in der Schwangerschaft keine Beschwerden, weil das Immunsystem gedämpft ist.

Symptome

  • Juckreiz mit Verlangen zu reiben, Brennen, Stechen.
  • Rote Hautflecken, anfangs sind es mückenstichartige Bläschen, welche schnell zu grösseren Quaddeln werden. Die Farbe ist blassrot, rot oder weiss.
  • Schwellung, Aufgedunsenes Gesicht, Schwellung der Lippen, Kopfschmerzen, der Luftwege, Atemnot, Magenkrämpfe, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckabfall
  • Schwere allergische Urtikaria: Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, manchmal auch Magen-Darmbeschwerden, erhöhte Körpertemperatur, Schluck- und Atembeschwerden.

DD: Quincke-Ödem (Angioödem). Das Quincke-Ödem juckt in der Regel nicht. Nesselsucht innert Minuten auf das Unterhautgewebe übergehend. Haut ist prall gespannt, über dem Ödem gerötet. Meist sind Lider, Lippen, Zunge und der Rachenraum betroffen. Es kann zur Atemnot, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall kommen). Auslöser sind oft eiweisshaltige Nahrungsmittel, Konservierungsmittel, Lebensmittelzusatzstoffe Bienen- oder Wespenstiche, Medikamente.

Klassische Homöopathie

siehe auch Allergien; Neurodermitis

Bei einem akuten Nesselfieber mit starker Schwellung, Jucken, bessert sich durch eine Gabe eines homöopathischen Arzneimittels das Beschwerdebild innert Minuten bis wenigen Stunden, oder verschwindet ganz. Bei bestehenden chronischen Krankheiten, welche auf ein schwaches Immunsystem hinweisen (z.B. Allergien; chronische Infekte; Nebenhöhlenbeschwerden; usw.), erfolgt später eine Konstitutionsbehandlung mit einer ausführlichen Fallaufnahme. Bei chronischem Nesselfieber braucht es etwas mehr Geduld, weil hier meist mehrere Arzneimittel (nicht gleichzeitig), erforderlich sind.

Beim erstmaligen Auftreten einer schweren allergischen Reaktion mit Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, usw.,  muss der Notarzt alarmiert werden. Wenn homöopathische Arzneien vorhanden sind, könnte die Zeit bis zum Eintreffen des Notfallarztes dazu genutzt werden, um homöopathisch zu behandeln. Das scheitert aber meist durch das fehlende Wissen der Betroffenen, der telefonischen Erreichbarkeit des Homöopathen, und halt auch durch das Fehlen der benötigten homöopathischen Arzneimittel.

Leider ist die oberflächliche Behandlung und Beseitigung von Symptomen immer noch oberstes Therapieziel in der gängigen Medizin. Dabei ist ein allergischer Hautausschlag ein Frühwarnsymptom für eine miasmatische Störung. Jeder neue Urticaria-Schub sollte Anlass zu einer ganzheitlichen homöopathischen Behandlung sein. Deshalb werden bei der homöopathischen Behandlung die individuellen Symptome, die charakteristischen körperlichen, emotionalen und geistigen Merkmale erfragt und auch die Vererbungsfaktoren miteinbezogen.

Vorteil der homöopathischen Behandlung: Nebenwirkungen wie Müdigkeit,  treten nicht auf. Richtig angewandt unterdrücken homöopathische Arzneien keine Symptome. Sie verhindern auch das Fortschreiten des Krankheitszustandes (z.B. in Richtung Asthma, Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien).

Tipps

  • Kühlende Umschläge, Kältepackungen, kaltes Duschen.
  • Bei schweren Allergien: Tragen eines Allergiepasses (z.B. mit dem Vermerk dass eine Penicillinallergie besteht).
  • Medikament welches das Nesselfieber verursacht sofort absetzen, Arzt informieren.
  • Calcium
  • Vitamin C
  • Fischöl
  • Diät (Auslassen der Nahrungsmittel, die nicht vertragen werden).

Tipps aus der Naturheilkunde

  • Waschen mit Essigwasser; Molkosan; Salzwasser; Meersalzbad.
  • Umschläge mit Quark.
  • Kompressen mit Ringelblume; Schwarztee.
  • Johannisöl einreiben (direkten Sonnenkontakt vermeiden); Lavendelöl; Nachtkerzenöl; Borretschöl.
  • Brennnessel-Tee (entlastet die Leber).
  • Stiefmütterchen-Tee innerlich oder betroffene Stellen damit waschen.

Behandlung Schulmedizin

Bei einer schweren allergischen Reaktion mit Kreislaufzusammenbruch handelt es sich um einen medizinischen Notfall (Tel. 144).

  • Diagnose: Allergietest oder Provokationstest; Bluttest. Bei schwerer Erkrankung: Notfallausweis ausstellen und Notfall-Set.
  • Juckreizstillende Mittel (Antihistaminika). Kälte-Gel.
  • Schmerzlindernde Lotionen oder Gel.
  • Quincke-Ödem: Entzündungshemmende Medikamente (Kortison, Antihistaminika, Kalzium, Adrenalin).
  • Hyposensibilisierung (Desensibilisierungsinjektionen) nach erfolgten Allergietests.