Kopfschmerzen

siehe auch Migräne (in Bearbeitung)

Seit Jahren beobachten Experten, dass Kopfschmerzen bei Kindern häufiger werden. Ob veränderte Lebensumstände dabei eine Rolle spielen, oder ob man dem Thema Kopfschmerz bei Kindern mehr Beachtung schenkt ist unklar. Meist sind Kopfschmerzen eher harmlos, sie können das Allgemeinbefinden aber enorm beeinträchtigen.
Problematisch ist, dass Kinder mit Kopfschmerzen oft nicht verstanden werden. Je kleiner die Kinder sind, umso schwieriger ist ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Ein Kind das über Bauchschmerzen klagt, blass ist und evtuell erbricht kann z.B. unter einer Migräne leiden und nicht unter einer „Bauchgrippe“. Spannungskopfschmerzen, Migräne und Schulkopfschmerzen sind erst bei grösseren Kindern ein Thema. Erwachsene Kopfschmerzpatienten berichten immer wieder, dass ihre Schmerzerkrankung bereits im Kindes- und Jugendlichenalter ihren Anfang nahm und dass damals versäumt wurde eine gute Therapie einzuleiten. So kam es bei vielen Betroffenen zu jahrelangen Ärzte-Odysseen mit zahllosen sinnlosen Diagnostikmassnahmen und Therapieversuchen. Hinzu kommt, dass Schmerzmedikamente vorwiegend für Erwachsene konzipiert wurden, für Kinder sind sie nur bedingt tauglich.

Wann ist medizinische Hilfe notwendig?

  • Wenn bei einem grippalen Infekt beim Husten die Kopfschmerzen hinter der Stirn oder den Wangenknochen auftreten.
  • Kopfschmerzen nach einem Schlag oder Stoss an den Kopf.
  • Kopfschmerzen länger als drei Monate.
  • Wenn die Schmerzen sehr stark sind oder immer stärker werden.
  • Wenn als Begleitsymptome Schwindel, Sehstörungen, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses hinzukommen.
  • Wenn die Kopfschmerzen mit psychischer Wesensveränderung einhergehen.

Ursachen Kopfschmerzen

Die Ursachen und Auslöser für Kopfschmerzen sind vielfältig.

  • Flüssigkeitsmangel
  • Bewegungsmangel (führt unter anderem zu Verspannungen der Nackenmuskulatur); körperliche Überanstrengung.
  • Falsche Körperhaltung (beim Lernen, in der Schule, Fernsehen, Computerspiele, Schulthek/Sporttasche!).
  • Hunger, erniedrigter Blutzuckerspiegel (zu lange Essens-Pausen, kein Frühstück, zu zuckerhaltige Nahrungsmittel, welche schlussendlich zu einer Unterzuckerung führen).
  • Übermüdung, Schlafmangel, zu viel Schlaf, Schlafstörungen.
  • Belastungssituationen, Überforderung (Schule, Freizeit, Familie): Angst; Ärger; Trennungen im häuslichen Umfeld; Scheidung; Todesfall; Wegzug eines Freundes; Lernstress.
  • Auch positiver Stress, wie ein geplanter Ausflug, ein bevorstehender Kindergeburtstag, eine bevorstehendes Konzert, Ferienbeginn, Wochenende können Stress auslösen (plötzliche Entspannung).
  • Wetter (Föhn, niedriger Luftdruck, Gewitter).
  • Reize wie Lärm, Flackerlicht (Kerzen, Disko, Computer), Gerüche, schlechte Luft, Hitze, Vollmond.
  • Nicht korrigierte Sehfehler (Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Schielen), falsche Brille.
  • Grosser Höhenunterschied (Berge).
  • Störfelder (chronische Nebenhöhlen-Entzündungen, Narben, Elektrosmog, Wasseradern).
  • Zahnfüllungen (Amalgam), bzw. Amalgambelastung (über die Mutter).
  • Lebensmittelunverträglichkeiten, Allergien (z.B. Weizen- od. Gluten, Nüsse, Käse, Zitrusfrüchte, Schokolade, Farb- und Konservierungsstoffe, Histamine).
  • Reaktionen auf Umweltgifte (Formaldehyd, Schwermetalle, Abgase, usw.).
  • Impfungen (deren Zusatzstoffe).
  • Medikamenteneinnahme (Schmerzmittel).
  • Mangelzustände an Vitalstoffen (Vitamine, Mineralstoffe).
  • Vererbung

Körperliche Ursachen

Viele Erkrankungen gehen mit Kopfschmerzen einher (z.B. Erkältung, Grippe, Fieber, Stirnhöhlenentzündung, Kinderkrankheiten, Gehirnerschütterung, Hitzschlag, Sehstörungen).

  • Fehlsichtigkeit, Schielen.
  • Nach Kopfverletzungen (Gehirnerschütterung; Schleudertrauma).
  • Allergien, Heuschnupfen.
  • Anämie (Blutarmut; Eisenmangel).
  • Hitzschlag, Sonnenstich.
  • Infektionskrankheiten, Fieber (z.B. Grippe, Kinderkrankheiten).
  • Nebenhöhlenentzündungen
  • Probleme im Halswirbelsäulenbereich, Schulterbereich (Schleudertrauma, Verspannungen).
  • Depressionen
  • Erschöpfung, nicht mehr erholt seit einer Krankheit.
  • Unfallfolgen (z.B. Hirnerschütterung, Hirnblutung, Schleudertrauma).
  • Verdauungsstörungen (Verstopfung).
  • Würmer
  • Zahn- und Kiefererkrankungen (Zahnwurzelentzündungen, Fehlstellungen, schlecht sitzende Spangen).
  • Hirn- und Hirnhautentzündung.
  • Hirntumor.

Kopfschmerzformen

  • Spannungskopfschmerz: Dies ist die häufigste Kopfschmerzform. Durch Verengung der Hirngefässe mit anschliessender Erweiterung kommt es zu dumpf, drückenden bis ziehenden Schmerzen. Der Schmerz tritt meistens beidseitig auf, breitet sich häufig vom Nacken zur Stirn oder umgekehrt von der Stirn zum Nacken aus. Augen und Wangen sind miteinbezogen. Die Schmerzintensität ist leicht bis mässig. Durch körperliche Bewegung wird der Schmerz nicht stärker. Gelegentlich besteht leichte Übelkeit.
  • Migräne: Eine konstitutionelle Veranlagung ist die Basis für die Entwicklung einer chronischen Migräne. Dazu kommen äussere und auch seelische Faktoren. Es handelt sich um meist einseitige, heftige Kopfschmerzen, welche anfallsartig auftreten. Die Schmerzen werden als stark pochend, pulsierend, bohrend empfunden. Die Dauer eines Anfalles kann von Stunden bis Tage reichen. Die Anfallshäufigkeit variiert stark (von einmal im Jahr bis zu fast täglich). Kleine Kinder klagen häufig über Bauchschmerzen.
    siehe Migräne (in Bearbeitung)

Differenzierung: Hirnhautentzündung/Meningitis

Meningokokken-Frühwarnzeichen: Während die klassischen Symptome erst nach 13 bis 22 Stunden einsetzten, zeigten mehr als 70 Prozent der Kinder bereits in der Frühphase der Infektion Schmerzen in den Beinen, das Kind hat Mühe zu Stehen, zu Laufen, kalte Hände und Füsse und eine veränderte Hautfarbe. Diese bereits nach durchschnittlich acht Stunden wahrnehmbaren Zeichen könnten Eltern und Ärzte schneller an eine Meningokokkeninfektion denken. Notarzt

  • Grippeähnliche Symptome mit schwerem Krankheitsgefühl.
  • Plötzliche Kopfschmerzen, einseitige Kopfschmerzen die mit (hohem) Fieber über 40 °C oder Schüttelfrost einhergehen.
  • Starke Nackenschmerzen und Nackensteife. Das Kind kann das Kinn nicht auf die Brust beugen, es überstreckt ihn nach hinten in den Nacken.
  • Gleichgewichtsstörungen, das Kind geht unsicher, ihm ist schwindelig.
  • Steife, starre Glieder, diese lassen sich nicht bewegen.
  • Starke Lichtempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit.
  • Bewusstseinsstörungen, das Kind ist apathisch, zeitweise bewusstlos, nicht weckbar.
  • Unregelmässige Atmung, röchelnde Atmung.
  • Vorgewölbte Fontanelle beim Baby.
  • Der Säugling schreit schrill, lässt sich schwer beruhigen, schreit beim Hochnehmen evtl. sogar noch stärker. Mag nicht trinken, erbricht sich.
  • Erbrechen
  • Sehstörungen; Pupillen reagieren nicht.
  • Rote, punktförmige Flecken auf der Haut (Glas-Test: Trinkglas auf die roten Hautflecken drücken, anders als bei Masern und Röteln verblassen die Flecken hier nicht, sie bleiben sichtbar).

Behandlung Klassische Homöopathie

Eine Lösung des zugrundeliegenden Problems ist im wahrsten Sinne des Wortes der erste Schritt zur Heilung. Bei chronischen Nebenhöhlenentzündungen, Verstopfung, Blutarmut, usw. müssen diese Beschwerden behandelt werden. Kopfschmerzen sind sehr oft Anzeichen einer seelischen, geistigen, nervlichen Überbelastung.
Schmerzmittel betäuben zwar den Schmerz, die Ursache wird aber nicht behoben. Schmerzmittel erzeugen leider auch Nebenwirkungen und sie verändern das Schmerzmuster. Eine homöopathische Behandlung wird dadurch schwieriger.
Da Kopfschmerzattacken bei jedem Menschen eine andere Ursache haben, muss für eine nachhaltige Behandlung eine ausführliche Anamnese gemacht werden. Eine Diagnose „Kopfschmerz“ führt in der klassischen Homöopathie nie zum Behandlungserfolg. Der Mensch mit seiner Krankheitsgeschichte und seinen individuellen Symptomen steht viel mehr im Mittelpunkt der Behandlung.
Auf folgende Faktoren achtet ein Homöopath bei Kopfschmerzen:

  • Auslöser
  • Schmerzlokalisation: z.B. Stirn, Schläfe, Scheitel, Hinterkopf.
  • Schmerzqualität: Drückend, pochend, klopfend, ziehend, stechend, vom Nacken hochziehend, wandernd, ausstrahlend usw.
  • Zeitliches Auftreten: Morgens nach dem Schlaf; immer zur gleichen Tageszeit; nach der Schule, usw.
  • Was verbessert, was verschlimmert den Kopfschmerz.
  • Begleitsymptome
  • Darüber hinaus sollte man auf den Gesichtsausdruck (Blass, rot, fleckig, müde Augen) und das Verhalten des Betroffenen achten (z.B. Schmerzbesserung durch Rennen; Trinken; Schlafen).

Bei akuten Kopfschmerzen bei Infektionskrankheiten (Grippe, Kinderkrankheiten) sind homöopathische Mittel sehr hilfreich. Eine tiefere Heilung bei chronischen Schmerzen (Unfallfolge, Migräne, usw.)  lässt sich allerdings nur mit einer konstitutionellen Behandlung erreichen. Da Kinder, je jünger sie sind, noch nicht klare Angaben über die Schmerzen machen können, sind wir Homöopathen auf die Mithilfe der Eltern angewiesen (gute Beobachtungsgabe).
Je früher ein Kopfschmerz-Kind behandelt wird, umso besser. Man verhindert dadurch nicht nur fehlende Schultage und damit verbundener Leistungsdruck, sondern auch eine Chronifizierung des Leidens. Durch eine homöopathische Behandlung werden die Selbstheilungskräfte angeregt.

Tipps

Bei Kopfschmerzen braucht Ihr Kind Zuwendung und Fürsorge. Manchmal hilft aber auch ein ruhiges Spiel, oder eine Beschäftigung die Spass macht und ablenkt.

  • Augenärztliche Kontrolle (Fehlsichtigkeit, Überprüfung der korrekten Brillenstärke).
  • Sorgen Sie für einen ergonomischen Platz zum Lernen (auch für die Computerspiele).
  • Bewegung an der frischen Luft, Sport.
  • Regelmässige Schlafzeiten; Ruhezeiten.
  • Regelmässige Mahlzeiten und ausreichende Trinkmenge (Verzicht auf Cola, Eistee, Red-Bull).
  • Stress, Anspannung oder sonstige Auslöser meiden (Überbelastungssituationen durch Überforderung in Schule oder durch ein Überangebot in der Freizeit sollten abgeklärt werden).
  • Hilfreich sind Entspannungstechniken und regelmässige sportliche Aktivitäten.
  • Lockerungsübungen für die Nacken- und Schultermuskeln
  • Hinlegen in einem ruhigen, evtl. abgedunkelten Zimmer kann bei leichten Kopfschmerzen helfen.
  • Leichte Druckmassage (Schläfe, Nacken, Scheitel).
  • Evtl. kann eine Ausschlussdiät helfen, um evtl. Nahrungsunverträglichkeiten auf die Spur zu kommen (z.B. Milchunverträglichkeit/ Laktoseintoleranz, Weizenallergie, usw.).

Tipps aus der Naturheilkunde

Bei Kopfschmerzen kann mit natürlichen nichtmedikamentösen Massnahmen Linderung verschafft werden.

  • Einreiben der Stirn, Schläfen mit ätherischen Öl, z.B. Pfefferminzöl (nicht während homöopathischer Behandlung).
  • Auflegen eines kalten oder warmen Tuches auf Stirn, Schläfen oder Nacken.
  • Heisses Fussbad, gleichzeitig Arme in kaltes Wasser tauchen. Danach viel warmes Wasser trinken.
  • Kartoffelwickel, heisser Wasserwickel; heisses Salzkissen; Zwiebelwickel im Nacken.
  • Tee: Eisenkraut, Hopfenzapfen, Melisse

Schulmedizinische Behandlung

Bei chronischen Spannungskopfschmerzen sollten Schmerzmittel vermieden werden, denn sie fördern die Entwicklung eines Schmerzmittelkopfschmerzes (s. Tipps).
Wenn das Kind regelmässig, länger als drei Monate immer wieder Kopfschmerzen hat, ein Verdacht auf Migräne besteht, wenn neue Symptome oder die Art der Schmerzen sich ändern sollte eine genauere Abklärung gemacht werden. Ein Kopfschmerz-Tagebuch kann z.B. Informationen über die Art, Stärke und Dauer der Schmerzen liefern. Schmerzmittel sollten nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt eingesetzt werden.

  • Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen. Ergotaminhaltige Medikamente und Triptane dürfen auf keinen Fall eingesetzt werden. Für Kinder sind diese Medikamente von den Arzneimittelbehörden nicht zugelassen. Bei Schmerzmitteln die genaue Dosierung beachten!
    • Achtung: Schmerzmittel können bei regelmässiger Einnahme wiederum Kopfschmerzen erzeugen.
    • Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin) ist für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet. Der Wirkstoff kann das sogenannte Reye-Syndrom, auslösen. Dabei kann es zu Schäden des Gehirns und der Leber kommen.
    • Medikamente gegen die Übelkeit (z.B. Zäpfchen).