Keuchhusten

(Pertussis)

„Sechs Wochen kommt er, in sechs Wochen geht er“, so heisst es im Volksmund. Die Kinderkrankheit tritt am Häufigsten zwischen drei und sieben Jahren auf. Ein durchgemachter Keuchhusten schützt praktisch lebenslang vor erneuter Ansteckung. Man spricht heute von einer Immunität von ca. 20 Jahren. Um die Immunität zu erhalten, ist allerdings eine „Boosterung“ notwendig (wiederholter Kontakt zu Erkrankten). Tritt Keuchhusten im Erwachsenenalter auf, verläuft er meist anders als bei den Kindern. Viele Erwachsene wissen gar nicht, dass sie Keuchhusten haben, Keuchen und das Erbrechen können bei Ihnen fehlen.

Übertragen wird Keuchhusten durch das Bakterium „Bordetella pertussis“ über Tröpfcheninfektion (Husten, Speichel, Niesen). Milde und kürzere Krankheitsverläufe können durch „Bordetella parapertussis“ hervorgerufen werden. Auch Geimpfte können Bakterienträger sein. Die Inkubationszeit bei Keuchhusten (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit) beträgt eine bis drei Wochen. Ansteckungsgefahr besteht von Beginn des ersten Hustenstadiums und noch vier Wochen danach. Drei Wochen nach dem Auftreten der ersten Symptome kann man davon ausgehen, nicht mehr ansteckend zu sein.

Der Keuchhusten ist eine langwierige Kinderkrankheit, er verläuft über mehrere Wochen. Er lässt sich in drei Stadien einteilen (Stadium catarrhale, Stadium convulsivum, Stadium decrementi). Ein Hustenanfall kann mehrere Minuten anhalten, häufig kommt es dabei zum Erbrechen. Der Husten kommt von tief unten, häufig ist ein Pfeifen beim Atmen zu hören, die Zunge ist herausgestreckt. Der Keuchhusten (Hustenphase) dauert drei bis sechs Wochen. Einzelne Hustenattacken können aber noch über Wochen hinweg bestehen.

Symptome

Der einfache Keuchhusten ist fieberlos, der Eintritt von Fieber und Appetitmangel zeigt immer eine Komplikation an.
Das Bakterium setzt ein Gift frei, welches Schleimhautentzünden auslöst, es kommt zu einer Verdickung, Verengung der Atemwege und zu vermehrter Schleimbildung. Typisch sind daher Hustenanfälle mit vorgestreckter Zunge und keuchende Einatmung(besonders nachts).

  • Katarrhalisches Stadium (Stadium catarrhale): Dieses Stadium dauert zwischen einer halben Woche und zwei Wochen. Die Ansteckungsgefahr ist hier am grössten, sie klingt mit der sechsten Krankheitswoche erst ab. Kaum Fieber, reichlicher Schnupfen, Niesen, Bronchialkatarrh, Heiserkeit, Kitzeln im Halse, noch untypischer Husten, Tränen, gerötete Augen, Abgeschlagenheit, Appetitmangel sind die Symptome. In der zweiten Woche beginnt dann ein hohler, metallisch klingender trockener Husten der zunehmend krampfartig wird (kein Schleim).
  • Krampfhustenstadium (Stadium convulsivum): Dieses Stadium dauert unter günstigen Voraussetzungen vier Wochen, kann aber acht Wochen und darüber betragen. Der Husten verschlimmert sich zu  den typischen krampfartigen Hustenanfällen mit keuchender, ziehender Einatmung mit herausgestreckter Zunge. Zwischen den Hustenanfällen sind die Kinder in der Regel unbeeinträchtigt. Etwas grössere Kinder haben eine Vorempfindung des Hustens, d.h. Kitzeln im Hals, Drücken auf der Brust oder Übelkeit. Sie atmen ängstlich und hastig, richten sich im Bett auf oder laufen zu einem Stuhl um den Anfällen einen Widerstand leisten zu können. Ein Anfall dauert zwischen ein bis fünfzehn Minuten. Alle Atemhilfsmuskeln des Halses und des Abdomens kommen zum Zuge, sind angespannt. Die Kinder werden am im Gesicht blaurot, die Augen treten hervor, das Gesicht ist schweissbedeckt. Zu Beginn des Stadiums convulsivum ist wenig Schleim vorhanden, dafür wird durch den Krampf häufig der Mageninhalt erbrochen. Mit der Zeit wird aber immer mehr zäher, farbloser Schleim hervorgebracht. Die Anfälle stellen sich entweder spontan bei sich ruhig verhaltenden Kindern ein, oder sie werden durch Schreien, Gemütsbewegungen, Lachen, Essen (besonders bei trockenen, kratzenden Bissen), kalte Luft ausgelöst. Am stärksten und häufigsten sind die Anfälle abends und nachts. Es kann zu einem Gewichtsverlust durch das häufige Erbrechen kommen. Einblutungen in die Bindehaut sind möglich. Oft werden unwillkürlich Harn und Stuhl abgegeben.
  • Drittes Stadium (Stadium decrementi): Im letzten Abschnitt klingen die Hustenstösse in zwei bis drei Wochen vollständig auf (bei tuberkulösen und skrofulösen Kindern hingegen dauert er noch viele Monate an. Diese beiden Fachbegriffe stammen aus der Miasmatik). Oft kommen noch kleine Rezidive vor. Pfeifende Einatmung, das Erbrechen ist noch vorhanden, es wird aber nur noch ungeheure Mengen an Bronchialschleim herausbefördert. Bei den meisten Kindern stellen sich zu dieser Zeit nächtliche Schweisse ein, zuweilen brechen auch Ekzeme aus.

Komplikationen

Der durch den Keuchhusten geschwächte Körper ist anfällig für andere Infektionen.

  • Mittelohrentzündung durch bakterielle Sekundärinfektion.
  • Lungenentzündung (besonders Säuglinge und kleine Kinder bis zwei Jahre haben ein höheres Risiko; Liegen; weniger entwickelte Rückenmuskulatur. Der Schleimauswurf ist noch nicht möglich).
  • Atempausen bei Säuglingen. Für Säuglinge unter sechs Monaten kann Keuchhusten daher gefährlich werden (Gefährdung des Gehirnes durch die Atemlosigkeitsphasen).
  • Hernien (Nabel-, Leistenbrüche).
  • Appetitmangel, Abmagerung.
  • Bronchitis (Husten über Monate).
  • Krampfanfälle
  • Gehirnentzündung (sehr selten).

Behandlung Klassische Homöopathie

Das Risiko, Keuchhusten zu bekommen steigt bei tuberkulinischer Familienbelastung (tuberkulinisch = Fachbegriff aus der Miasmatik. In der Familie und beim Kind kam es z.B. zu Ohrentzündungen, Mandelentzündungen, Husten, Lungenentzündungen, Allergieneigung/Heuschnupfen, Nasenbluten, usw.).

Aus der Erfahrung weiss man, dass ein durchgemachter Keuchhusten ein Leben lang zu einer Immunität führt. Ein antibiotisch unterdrückter Keuchhusten hingegen kommt wieder. Zweitinfektionen oder Keuchhustenfälle nach Impfung verlaufen meist nicht typisch und gefährden dann ausgerechnet diejenigen, die man eigentlich schützen möchte, Säuglinge und Immungeschwächte Personen.

Ganz wichtig bei der Erkrankung ist, dass der Husten nicht mit Medikamenten unterdrückt werden darf. Der Schleim aus den Bronchien muss abgehustet werden können. Ein verschleimter Husten hat seinen Sinn darin, dass der Schleim einerseits Erreger aus den Bronchien schwemmt und gleichzeitig die gereizte Bronchialschleimhaut schützt. Der Husten kann nicht zum Ersticken führen, Eltern sollen bei einem Anfall daher Ruhe bewahren, jede Aufregung verschlimmert den Zustand des Kindes. Die Begleitung eines Keuchhustenkindes erfordert viel Geduld.

Der Verlauf eines Keuchhustens kann durch eine homöopathische Behandlung deutlich gemildert und abgekürzt werden. Komplikationen werden so verhindert. Bei der Wahl der Symptome zur Arzneibestimmung sind z.B. die Begleitsymptome, Allgemeinsymptome, Gemütsymptome und die Modalitäten wichtig.

Keuchhusten Impfung?

Grundsätzlich bin ich zum Impfen kritisch eingestellt. Dies heisst aber nicht, dass ich Eltern vom Impfen abrate. Wichtig ist mir Informationen aus homöopathischer Sicht zu Impfungen, Impfproblematik, Vorbeugung von Krankheiten und Komplikationen und zur homöopathischen Begleitung und Behandlung zu geben.

Manche Eltern sind sich noch nicht im Klaren, ob sie Ihr Kind impfen lassen wollen oder nicht. Wir schauen dann gemeinsam, was das Beste für das Kind ist. Bei familiärer Allergieneigung oder Vorerkrankungen beim Kind wie Dreimonatskoliken, chronischem Schnupfen, chronischem Husten, Milchschorf, Windelausschlag oder Neurodermitis rate ich in der Regel dazu, mit dem Impfen noch abzuwarten oder ich berate zumindest in Richtung gezieltes Impfen. Dieses Vorgehen verschafft den Eltern erst mal die Möglichkeit, erste Beschwerden des Kindes homöopathisch zu behandeln. Klappt dies, finden sie das Vertrauen in die klassische Homöopathie. Durch die Konstitutionsbehandlung oder durch eine akute Behandlung können die Eltern in aller Ruhe die Homöopathie und mich als Therapeutin kennenlernen. Bei Eltern, welche ihr Kind bei allfälligen Komplikationen eh „schulmedizinisch“ behandeln lassen würden, sei dies aus Angst vor Krankheitsfolgen oder als Zeitgründen (Berufstätigkeit) rate ich eher zum Impfen. Wie die Situation auch ist, grundsätzlich kann ich die Entscheidung für oder gegen das Impfen den Eltern jedoch nicht abnehmen.

Informationen zur Impfung

Erst nach der zweiten bis vierten  Impfung verläuft die Krankheit milder (in diesem Alter verläuft Keuchhusten dann aber auch meist ohne Komplikationen).  Der Impfschutz liegt bei 50-70 %. Drei bis neun Jahre nach der Impfung geht der Impfschutz wieder verloren. Erwachsene mit Pertussis sind daher die Hauptinfektionsquelle für kleine Kinder.

In den USA beobachtet man in letzter Zeit wieder eine Zunahme der Keuchhusten-Sterbefälle, trotz hoher Impfrate von 94% (Quelle: WHO). Ursache sind vermutlich genetisch veränderte Keuchhustenerreger. Auch sieht man hier eine Verschiebung der Erkrankungen hin zum Jugendlichen und Erwachsenen. Die Anzahl der Keuchhustenfälle bei Erwachsenen stieg laut dem CDC (CDC Centers for Disease Control and Prevention, Atlanta, USA) zwischen 1990 und 2001 um 400% an. Während 1980 nur 1730 Fälle gemeldet wurden, waren es 2002 bereits 8296 Erkrankte.(MMWR Weekly – Morbidity and Mortality Weekly Report – January 10, 2003 / 52(01);1-4;).

Gesicherte Nebenwirkungen der Pertussis-Impfung (Keuchhusten-Impfung) sind neurologische Symptome wie stunden- oder tagelanges anhaltendes schrilles Schreien, Krampfanfälle, plötzlicher Kindstod, Asthma.

Bei der kombinierten Impfung Diphtherie, Tetanie, Pertussis: Neurologische Komplikationen wie schrilles Schreien, Enzephalitis, aseptische Meningitis, Guillain-Barré-Syndrom, Hyperaktivität, Periphere Mononeuropathie. Dann auch plötzlicher Kindstod, Diabetes mellitus Typ I, Erythema multiforme, Hämolytische Anämie, Thrombozytopenie.

Wichtige Links im Zusammenhang mit Impfen, Impfentscheid, Nebenwirkungen:

www.impfschaden.info
(Da gibt es auch eine Umfrage und Ergebnisse zum Gesundheitszustand ungeimpfter und geimpfter Kinder)

www.impfo.ch
(Arbeitsgruppe für differenziertes Impfen)

www.impfentscheid.ch
(Netzwerk Impfentscheid N.I.E.)

www.groma.ch/Impfungen-Links

www.impkritik.de

Tipps

  • Keine Hustendämpfende Medikamente.
  • Ruhe bewahren, trösten. Bei den Hustenanfällen sollten Sie das Kind aufrecht setzen und den Kopf nach vorn beugen lassen. Stellen Sie auch eine Schüssel bereit, für den Fall, dass Ihr Kind erbrechen muss.
  • Sorgen Sie für feuchte Luft, die Hustenanfälle können so gemildert werden (Luftbefeuchter; feuchte Wäsche aufhängen; im Badezimmer heisses Wasser laufen lassen bis feuchte Dämpfe entstehen).
  • Keine verrauchten Räume. Bei Smog kurz lüften.
  • Viel frische Luft (Höhenluft wäre ideal). Bei schwerem Verlauf können Aufenthalte in Kuh- od. Pferdestallluft hilfreich sein.
  • Häufigere kleine Mahlzeiten und regelmässige Flüssigkeitszufuhr helfen Gewichtsverlust und Austrocknung zu verhindern. Die Letzte Mahlzeit zwei Stunden vor dem Schlafengehen.
  • Süssigkeiten, fette Speisen, starke Gewürze, Käse, Milch, Sauermilchprodukte, Fleisch, Bananen, Nüsse und zu viel Getreide erhöhen die Schleimproduktion. Milch mit Honig deshalb lieber weglassen. Sie können Ihr Kind beim Schleimabhusten unterstützen indem Sie ihm den Rücken abklopfen.
  • Körperliche Schonung. Das Kind sollte sich nicht anstrengen. Konflikte bzw. Erregungszustände sind zu vermeiden.
  • Am Ende der langen Keuchhustenzeit ist ein Klimawechsel sinnvoll (Hochgebirge; Nord-, Ostsee).

Tipps aus der Naturheilkunde

  • Viel trinken um die Schleimlösung zu fördern, v.a. Tee wie Hagebutte, Eibisch, Holunderblüten, Thymian, Melisse oder Sonnenkraut, evtl. mit Honig süssen.
  • Abklopfmassagen am Rücken von unten nach oben (Richtung Hals) helfen den Schleim zu lösen, das Abhusten wird erleichtert (besonders bewährt bei kleinen Kindern).
  • Warme Anwendungen fördern die Durchblutung, entkrampfen, fördern die Schleimlösung (Brustwickel, warmes Fussbad, warme Ölkompressen Fusssohlen).  Brustwickel (Kartoffeln; Wasserwickel) für 1/4 bis zu 2 Stunden, bzw. solange der Wickel warm bleibt. Beim Wasserwickel kann der Saft einer unbehandelten Zitrone auf jeweils 1/2 Liter des heissen Wassers beigefügt werden (nach 10 Minuten sollte die Hautverträglichkeit überprüft werden. Bei Rötung wird der Wickel abgenommen). Statt Zitrone kann auch Salz benutzt werden. Eine warme Kompresse mit Thymian-Öl auf den Fusssohlen entspannt ebenfalls. Sie können auch warmes Olivenöl mit Watte auf Brust und Rücken auf Haut auflegen, mit Baumwoll-Wickeltüchern warm halten (wie Wickel).Warmes  Fussbad.
  • Beim Einschlafen Füsse und Rücken/Schulter mit Olivenöl oder Thymianöl einreiben. Achtung: Verwenden Sie keine ätherischen Öle, Salben, Tropfen bei Babys und Kleinkindern mit Campher, Eukalyptus, Menthol. Sie reizen die Schleimhaut der Bronchien sehr stark, sie sondern noch mehr Schleim ab. Da Kleinkinder noch nicht abhusten können, staut sich der Schleim in den Atemwegen. Bei einer virusbedingter Bronchitis und bei Keuchhusten kommt es so leichter zu Komplikationen durch Bakterien.
  • Bäder: Mit Fichtennadeln; Thymian; Lavendel.
  • Inhalationen: Mit  Salz; Thymian; Kamille (nicht während homöopathischer Behandlung).
  • Zwiebel aufschneiden und neben Bett legen.
  • Brust und Rücken (Lungenregion) mit Thymiansalbe einreiben.
  • Quarkwickel (zimmerwarm); kann tagsüber 3-4x je 1 Stunde ausgeführt werden. Nachts auch als Dauerumschlag.
  • Hustensäfte oder Tropfen mit Spitzwegerich, Huflattich, Thymian.
  • Hustensirup selbstgemacht: 1 Zwiebel fein hacken, 3 TL Thymian, Kandiszucker, ½ l Wasser. Alles aufkochen und ca. 10 Min. köcheln lassen, dann absieben. In einer verschliessbaren Flasche im Kühlschrank lagern, hält ca. 1 Woche.
  • Holunder-Saft oder Holundersirup ist bei allen verschleimenden Prozessen angesagt.
  • Efeupräparate, z.B. Zeller-Husten-Lutschtabletten; Prospan Hustensaft (Altersangabe beachten).
  • Echinacea-Tinktur zur Unterstützung des Immunsystems (30 Tropfen in Flüssigkeit, täglich bis zu sieben Tage lang).
  • Santasapina Bonbons (Vogel) mit Tannenspitzensaft. Isländisch-Moos oder Eibisch –Lutschpastillen, bzw. Bonbons.

Behandlung Schulmedizin

  • Antibiotika können nur in der symptomarmen Anfangsphase Keuchhusten verhindern, nach sieben bis zehn Tagen ist der Husten nicht mehr vom Bakterium abhängig. Antibiotika verkürzen die Erkrankung daher nur wenn sie früh eingesetzt werden. Auf die Symptome haben sie jedoch keinen Einfluss, weil die Schleimhäute bereits durch das Bakterientoxin geschädigt sind. Besonders bei geschwächtem Immunsystem kann es nach einer Antibiotikabehandlung  zu einer Zweiterkrankung kommen. Besser als Antibiotika sind Trennung des Säuglings vom kranken Geschwister für 3 – 4 Wochen; Windel übers Gesicht/Kinderwagen.
  • Infusionen um Austrocknung zu verhindern.
  • Schleimlöser
  • Kortison bei schweren Anfällen.
  • Vorbeugung: Schutzimpfung (meist in der Kombination Diphtherie, Tetanus/Starrkrampf, Polio/Kinderlähmung und Pertussis/Keuchhusten.