Erbrechen

siehe auch: Reisekrankheit;  Durchfall

Erbrechen wird durch das Brechzentrum im Gehirn ausgelöst, dieses ist bei Kleinkindern leichter irritierbar als bei Erwachsenen. Viele Säuglinge erbrechen wenn sie zu viel getrunken haben, man spricht dann von „Speikindern“.  Solange das Kind gedeiht, ist Spucken harmlos. Beim echten Erbrechen kommt die Nahrung schwallartig. Meist bestehen dabei noch andere Symptome wie Schwitzen, Fieber, Bauchkrämpfe, Speichelfluss, Herzklopfen.

Erbrechen ist ein Schutzreflex um Unverdauliches oder Giftiges aus dem Körper zu entfernen. Andererseits ist es auch ein unspezifisches Allgemeinsymptom bei Angina, Mittelohrentzündung. Häufigste Ursache für Erbrechen ist der Brechdurchfall.

Säuglinge haben häufiger kleinere Verdauungsprobleme mit Erbrechen und Durchfall. Ihr Immunsystem und Verdauungsapparat sind noch nicht voll entwickelt. Gestillte Babys sind weniger anfällig für Magen-Darm-Probleme, da sie durch die Antikörper in der Muttermilch besser geschützt werden.

Erbricht das Kind mehrfach über einen längeren Zeitraum droht die Austrocknung. Bei Neugeborenen kann Erbrochenes auch leicht über die Luftröhre in die  Lunge gelangen und zu einer Lungenentzündung führen.

Bei einmaligem Erbrechen ohne Fieber können Sie erst mal abwarten. Das Erbrechen sollte nach einem Tag aufhören, Durchfall nach 3-5 Tagen. Wenn sich das Erbrechen jedoch wiederholt, und über einen Zeitraum von sechs Stunden sämtliche Nahrung wieder erbrochen wird, sollte medizinische Hilfe (Homöopath, Arzt) in Anspruch genommen werden.

Stillkinder können bei Erbrechen weiterhin gestillt werden, wenn auch von der Menge her weniger, dafür in kürzeren Abständen anlegen. Erhält das Kind bereits die Milchflasche, diese mit Tee oder Elektrolytlösung aus der Apotheke ersetzen.  s. Tipps

Arten des Erbrechens

  • Schwallartiges Erbrechen in grossen Mengen kommt z.B. bei Brechdurchfall vor.
  • Speien/ Spucken von geronnener Milch eine halbe Stunde bis eine Stunde nach dem Trinken ist normal. Das Kind hat vermutlich zu viel und zu hastig getrunken. Das Baby gedeiht dabei bestens.
  • Nahrung wird  während des Fütterns wieder herausgewürgt  läuft nach dem Trinken wieder heraus:  Anzeichen für eine Speiseröhreerkrankung.
  • Erbrechen im hohem Bogen etwa 30 – 60 Min. nach der Mahlzeit, das Erbrochene riecht sauer: Pylorusstenose/ Magenpförtnerverengung (Schliessmuskel des Magenausganges).

Die Eigenschaften des Erbrochenen geben Auskunft über die mögliche Ursache des Erbrechens

  • Sauer riechend: Erbrochenes kommt aus dem Magen.
  • Neutral riechend: Erbrochenes ist noch nicht mit Magensäure in Berührung gekommen.
  • Faul riechend: Darmverengung, Darmverschluss
  • Grünlich, bräunlich: Galle aus dem Zwölffingerdarm, evtl. liegt eine Dünndarmverengung vor.
  • Schleim: Bronchitis, Magenentzündung (Gastritis)
  • Im Erbrochenen hat es hellrotes Blut: Das Kind hatte Nasenbluten
  • Im Erbrochenen hat es braunschwarzes Blut: Verschlucktes Blut aus dem Mund-Nasen-Rachenraum.

Ursachen Erbrechen

  • Ernährungsfehler. Zu viel oder durcheinander gegessen, zu fettig, zu süss, fremde Kost, zu kalt getrunken (Kindergeburtstage!)
  • Fremdkörper
  • Pylorusstenose (Pylorus = Schliessmuskel zwischen Magenausgang und Dünndarm. Stenose = Verschluss/ Verengung). Es kommt zu schwallartigem Erbrechen eine halbe Stunde nach dem Trinken.
  • Azetonämisches Erbrechen (Mund riecht nach Äpfeln, Essig)
  • Magen-Darm-Grippe (v.a. mit Rota- oder Noroviren)
  • Verdorbene Lebensmittel (Lebensmittelvergiftung durch Salmonellen, Streptokokken)
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Allergien, Milchzucker-, oder Lactoseunverträglichkeit, Fettunverträglichkeit)
  • Stoffwechselstörungen (Leber, Nieren)
  • Reisekrankheit/ Seekrankheit
  • Aufenthalt in Ländern mit heissem Klima, fremde Nahrung/Ernährungsgewohnheiten, Reisestress
  • Gehirnerschütterung
  • Sonnenstich, Hitzschlag
  • Migräne
  • Schmerzen
  • Blinddarmentzündung
  • Darmverschluss
  • Ekel; schlechte Luft, unangenehme Gerüche
  • Seelische Belastung: Nervosität, Angst (z.B. Prüfungsangst), Probleme in der Schule, zu Hause, zu viel Freude, Ärger, Bulimie (Ess-Brechsucht)
  • Schmerzen (z.B. Ohrenschmerzen, Migräne)
  • Schwindel (Innenohrerkrankungen)
  • Hirnverletzung (erhöhter Hirndruck)
  • Hirn-Tumore
  • Medikamente

Begleitsymptome

  • Übelkeit
  • Speichelfluss
  • Würgereiz
  • Fieber
  • Durchfall
  • Kreislaufprobleme

Heftiges Erbrechen (und Durchfall) führt bei Kleinkindern schnell zur Austrocknung/Dehydration, die Kinder werden lethargisch und schläfrig, so dass sie Mahlzeiten verschlafen. Der Zustand verschlechtert sich schnell, bis zum Koma.

Warnsymptome einer schweren Dehydration sind:

  • Das Kind ist teilnahmslos, apathisch, will nicht trinken.
  • Trockene Lippen, Weinen ohne Tränen.
  • Dunkler, spärlicher Urin
  • Eingesunkene Fontanelle (elastische Knochenlücke in der Schädelmitte, die sich meist bis zum 18. Monat schliesst).
  • Hautfalte bleibt stehen (ziehen Sie eine Hautfalte am Bauch des Babys hoch. Diese sollte im Normalfall elastisch zurückschnellen).
  • Eingesunkene Augen
  • Eingefallener Bauch
  • Gewichtsverlust  (> 5% des Körpergewichts)
  • Starrer Blick mit seltenem Lidschlag
  • Azidoseatmung (riecht nach Apfel)
  • Muskelschwäche, angebeugte Arme

Einen Arzt, Homöopathen benötigt Ihr Kind bei:

  • Bei wiederholt auftretendem Erbrechen.
  • Wenn gleichzeitig hohes Fieber besteht.
  • Bei Anzeichen einer Austrocknung wie spärlicher Urinproduktion (trockene Windeln), trockenem Mund, eingesunkener Fontanelle (bei Säuglingen), Trinkverweigerung, apathischem Kind.
  • Wenn Ihr Baby nach der Mahlzeit im Schwall erbricht und nicht zunimmt.
  • Erbrechen von Blut oder kaffeesatzartiger Masse.
  • Erbrechen nach Kopfverletzungen.
  • Übelkeit, Erbrechen nach Einnahme von Medikamenten.
  • Gelbfärbung der Augen oder der Haut.

Eine begleitende homöopathische Behandlung ist sehr hilfreich. Nach der Arzneimittelgabe muss aber innert einer ein bis zwei Stunden eine deutliche Besserung des Zustandes eintreten. Sichtbar ist dies an folgenden Symptomen:

  • Das Kind kann die Trinkflüssigkeit behalten, der Allgemeinzustand verbessert sich, die Urinmenge erhöht sich, die Austrocknungssymptome gehen stetig zurück.

Behandlung klassische Homöopathie

Erbrechen ist sehr unangenehm, ist meist aber harmlos. Durch Erbrechen  werden Krankheitserreger und Gifte ausgeschieden, Erbrechen darf daher nicht unterdrückt werden. Nach der Magenentleerung kann man den Organismus unterstützen. Zur Entlastung ist die wichtigste Therapiemassname aber die Diät. Je jünger das Kind ist, umso kürzer ist die Zeit, wo dies möglich ist. Nach zwei Stunden kann versucht werden wieder in kleinen Mengen zu stillen. Bei Flaschenernährung wird die Milch zuerst zur Hälfte mit Elektrolytlösung verdünnt. Wird die Milch nicht gut vertragen empfehle ich Reismilch.

Homöopathische Arzneimittel können auch bei starkem Erbrechen eingenommen werden, weil nur ein kurzer Kontakt  zur Mundschleimhaut notwendig ist um die Arzneiwirkung zu entfalten (es löst damit kein Erbrechen aus).

Tritt Erbrechen im Laufe einer homöopathischen Konstitutionsbehandlung auf, geben Sie bitte Ihrem Kind nicht eigenmächtig Arzneimittel ein. Eventuell handelt es sich um eine Heilreaktion. Eine solche sollte nie mit Medikamenten unterbrochen, bzw. unterdrückend behandelt werden. Kontaktieren Sie doch bitte Ihren Homöopathen, oder rufen Sie mich an.

Bei Reiseübelkeit, Speien bei Säuglingen, empfehlen sich sowohl eine akute wie auch eine homöopathische Konstitutionsbehandlung. Den Eltern meiner kleinen Patienten empfehle ich für die Reise die Anschaffung einer homöopathischen Taschen- bzw. Reiseapotheke (in Drogerie, Apotheke erhältlich). Im Notfall genügt dann ein Telefon oder eine Mailanfrage, und ich kann Ihnen das entsprechende Arzneimittel empfehlen. Die mühsame Suche nach Arzt, Apotheke kann so umgangen werden und es wird keine wertvolle Zeit verloren.

Tipps

siehe auch: Durchfall Heilnahrung; Diät

  • Verhaltens-Regel bei Reisen: Lebensmittel kochen, backen, schälen oder meiden!
  • Beruhigen Sie Ihr Kind wenn es erbrechen muss, halten sie es
  • Bei einmaligem Erbrechen ohne erhöhte Temperatur, abwarten. Geben Sie etwas Tee. Erbricht das Kind erneut, besteht Fieber über 38°C sollten Sie sich an einen Arzt oder Homöopathen wenden.
  • Ist das Kind träge, blass, schweissig, ist dies durch das Absinken des Blutdrucks verursacht. Legen Sie das Kind ins Bett, lagern sie die Beine etwas höher, kühlen sie das Gesicht mit einem kalten Waschlappen.
  • Notieren Sie die zugeführte Flüssigkeitsmenge und die Häufigkeit des Erbrechens. Dies dient der Beurteilung des tatsächlichen Verlustes und der gesamten Flüssigkeitsbilanz. Kinder sollten ca. 100-150 ml Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht /24 h trinken.
  • Wird das Kind noch voll gestillt, kann es nach einer Karenz von zwei Stunden in kleinen Portionen und kürzeren Abständen weitergestillt werden. Reichen sie in den ersten 6 Stunden zusätzlich Tee mit Traubenzucker und einer Prise Salz, oder Elektrolytlösung. Wird dies nicht vertragen, nur Tee.
  • Nicht gestillte Kinder erhalten schlückchenweise Tee (dann Flaschennahrung in halber Konzentration und in häufigen kleinen Portionen). Wird die Milch nicht vertragen Reismilch verwenden (sie enthält weniger Fett und Eiweiss). Reismilch sollte höchstens 2-3 Tage gereicht werden, sie reicht als Nahrung nicht.
  • Ihr Kind benötigt in erster Linie Flüssigkeit in Form von Wasser, Tee (z.B.Fenchel- oder Brombeerblätter) mit einem Teelöffel Traubenzucker und einer Prise Salz pro Tasse. Ein weinig Cola  bei Kindern über drei Jahren (Kohlensäure herausschlagen), Bouillon/Brühe kann dem Kreislauf helfen. Bei Dehydration benötigt es unbedingt eine Elektrolytlösung, Reisschleimelektrolytlösung. Elektrolytlösungen gleichen den Flüssigkeits- und Salzverlust aus, beruhigen Magen und Darm. Das Pulver ist in jeder Apotheke oder Drogerie erhältlich. Zur Not können Sie die Lösung auch selber herstellen:

    – 1 l abgekochtes Wasser
    – 1 TL Salz, 10 TL Traubenzucker, Orangensaft zum Abschmecken

    oder:
    – 1 l Schwarztee
    – 1 TL Salz
    – 10 TL Traubenzucker, Orangensaft zum Abschmecken

    Beginnen Sie mit 1 EL alle 5 Min. Wird dies vertragen, danach die zugeführte Flüssigkeitsmenge steigern, z.B. alle 15 Minuten 50 ml.

  • Mit Hilfe eines Einlaufs kann oftmals der Teufelkreis des Erbrechens durchbrochen werden: 1 gestrichenen TL Salz pro ½ l warmem Wasser.
  • Wird dies vertragen, 50 % verdünnte Muttermilch oder verdünnte Milchnahrung dazu geben (also abwechseln Elektrolytlösung – verdünnte Milch).  Erhöhen Sie die Trinkmenge auf 80-100 ml und füttern Sie alle drei bis vier Stunden. Ganz wichtig ist die Versorgung mit Glukose (Traubenzucker), damit wird weiteres Erbrechen vermieden.
  • Hört das Erbrechen schnell auf, dann kann nach 6 Stunden die gewohnte Milchnahrung gegeben werden.
  • Bei grösseren Säuglingen, Kindern beträgt die Nahrungskarenz drei bis vier Stunden. Magere Bouillon/Brühe mit Nudeln, Reis oder Griess, Reis, Rüebli/Karotten, Kartoffeln, Zucchini in Breiform, geriebener Apfel, Hafer- oder Reisschleim, Zwieback, Weissbrot, Salzstangen können gereicht werden.
    Um den Brei-Geschmack zu verbessern, können Sie den Schleim leicht salzen oder aber süssen (geriebener Apfel oder Heidelbeermarmelade).
  • Schlaf wird Ihrem Kind gut tun. Dabei entleert sich der Magen durch den Darm, es muss sich nicht mehr so häufig übergeben.

Tipps aus der Naturheilkunde

  • Tee: Fenchel- oder Brombeerblätter, Salbei, Kamille (nicht während einer homöopathischen Konstitutionsbehandlung) mit einem TL Traubenzucker und einer Prise Salz pro Tasse.
  • Am zweiten Tag folgt: Reis- oder Haferschleim, leicht gesalzen. Der Geschmack kann mit geriebenem Apfel oder Heidelbeermarmelade verbessert werden.
  • Reiseübelkeit: Ingwerwurzel. Nicht lesen, in Fahrtrichtung sitzen, Landschaft betrachten.
  • Vergiftung: Erbrechen nicht stoppen  à Giftzentrale
  • Notfalltropfen
  • Pfefferminze vor der Reise, als Tee oder als Öl direkt über die Zunge eingenommen. Man kann auch immer wieder daran riechen (Pfefferminze ist während einer homöopathischen Behandlung nicht erlaubt).
  • Carmol-Tropfen (nicht anwenden während Konstitutionsbehandlung, sie enthalten Pfefferminze)

Behandlung Schulmedizin

  • Ursächliche Behandlung
  • Medikamente gegen den Brechreiz (Tabletten, Zäpfchen, Kaugummis, Pflaster)
  • Medikamente welche die Magenentleerung in den Darm beschleunigen
  • Elektrolyte, Infusion