Eifersucht

Eifersucht ist eine Mischung aus verschiedenen Gefühlen und Verhaltensweisen. Die Ursache für Eifersucht bei Kindern ist oft die Geburt eines Geschwisterchens. Eifersucht hat mit der Angst zu tun, die Beziehung zu einer Person werde durch einen Rivalen, Rivalin gefährdet. Das Gefühl nicht mehr die Nummer eins zu sein, schmerzt ganz schön. Je älter das kleine Geschwister wird, ums so schwieriger wird die Situation. Wie ein Kind dann reagiert ist abhängig von seinem Temperament, seiner Sensibilität, dem Altersunterschied zum Geschwister und von vielem mehr.

Verlustangst erzeugt Stress. Negative Gefühle können auch das Immunsystem schwächen, verursachen mitunter körperliche Beschwerden. Kinder klagen dann zum Beispiel über Bauchschmerzen, erbrechen morgens, haben Verdauungsprobleme, reagieren mit Schlafstörungen, kriegen einen Hautausschlag, werden wieder unsauber, entwickeln Ängste, werden aggressiv (schlagen, beissen, machen Dinge kaputt). Wie auch immer die Symptomatik ist, das Kind ist in Not, weil es seine widersprüchlichen Gefühle und seinen Unmut nicht einordnen kann.

Wenn Kinder heftig mit Eifersucht reagieren, sind sie ganz besonders auf das Einfühlungsvermögen und die Zuwendung der Eltern angewiesen. Auch wenn die Eltern noch so sehr versuchen gerecht zu sein, keines der Geschwister zu bevorzugen, beziehungsweise zu benachteiligen, der kleinste Vorfall schürt das Feuer der Eifersucht unter den Rivalen von neuem. Manchmal sind solche Begebenheiten noch später die Ursache für Familienstreitigkeiten unter Erwachsenen.

Ursachen

  • Mangelndes Selbstwertgefühl.
  • Unselbständigkeit
  • Zu hohe Ansprüche an sich selber, beziehungsweise das Gefühl Ziele nicht erreicht  zu haben, versagt zu haben.
  • Fehlende Liebe und Geborgenheit von den Eltern.
  • Abwertung des Kindes.
  • Konflikt mit der Nähe zum Kind.
  • Traumatische Erfahrungen.
  • Neuer Partner/ Partnerin nach einer Scheidung/ Trennung.
  • Altersunterschied unter drei Jahre. Ein Kindergartenkind kann sich vielleicht bereits besser abgrenzen, es hat mit Freunden ein grösseres Beziehungsnetz, ist selbständiger.
  • Lärm (wenn das neue Baby z.B. ein Schreibaby ist).

Symptome

  • Angst (Verlustangst; nicht zu genügen; nicht liebenswert zu sein).
  • Ärger, Wut, Misstrauen, Aggressivität, Provokationen, Neid.
  • Psychosomatische Beschwerden: Hautausschläge, Übelkeit, Bauchweh, Erbrechen, Hautausschläge, Asthma, usw.
  • Austesten der Grenzen.
  • Rückfall in das „Kleinkindverhalten“ – mit wieder gefüttert werden wollen, Babyverhalten.

Behandlung Homöopathie

Die Aufmerksamkeit der Eltern ist für kleine Kinder überlebenswichtig. Das Einfordern dieser Aufmerksamkeit darf nicht als Fehlverhalten oder Krankheit fehlinterpretiert werden. Wird die Eifersucht für das Kind selber und für die Familie zur Belastung, kann mit Hilfe der klassischen Homöopathie geholfen werden. Sie ermöglicht dem Kind wieder ins Gleichgewicht zu kommen, seine Fähigkeiten auszuschöpfen.

Mit der Geburt des zweiten Kindes ändert sich die Situation für das ältere Kind und für die Familie völlig. Das kleine Wesen ist fremd, weint viel, braucht viel Betreuung. Lieb gewonnene Momente sind auf einmal nicht mehr möglich, weil die Mama viel am Stillen und Betreuen des Babys ist. Da wundert man sich nicht, dass die Situation höchst verunsichernd ist. Es gibt auch Kinder, die ihren ganzen Frust bei der Mutter auslassen, indem sie sich aggressiv gegen sie verhalten, sie gar ablehnend behandeln. So darf jetzt nur noch der Papa die Gutenachtgeschichte erzählen. Oder das Baby wird wie Luft behandelt. Auch eine Regression ist möglich. Das Kind macht wieder in die Hose, nachdem es bereits sauber war. Es hört auf zu sprechen, will wieder gefüttert werden oder trinkt wieder den Schoppen, statt aus der Tasse. Es ist besonders anhänglich, bricht in Panik aus, wenn die Mutter nur kurz das Zimmer verlässt.

Das sind Hilfeschreie nach Aufmerksamkeit, andererseits aber auch wichtige Ausdrucksformen für die Bestimmung eines homöopathischen Arzneimittels. Deshalb ist es wichtig, dass man genau hinschaut, was denn das Kind verunsichert. Für die Behandlung ist das Grundgefühl, das Reaktionsmuster, das Erfragen der Krankheits-Symptome (Beginn der körperlichen Pathologie) wichtig. „Ich will dieselbe Aufmerksamkeit wie mein Geschwisterchen.“ Ob das ein Machtkampf oder Verzweiflung ist, das kann für die Mittelwahl entscheidend sein. Ebenso ist für die Mittelfindung die Interaktion zwischen Eltern und Kind sehr wichtig. Wie sehr stresst die Eltern das Verhalten? Wie gehen sie damit um, was haben sie bereits gesagt, angedroht oder versprochen, falls er sich „bessert“? Wie hat das Kind darauf reagiert? Im Repertorium, einem Nachschlagewerk welches wir Homöopathen benutzen, stehen viele Rubriken und Arzneimittel, welche bei Eifersucht in Frage kommen. Beispielsweise: „Gemüt, Unrecht erlitten zu haben“; „Gemüt, Beschwerden durch Eifersucht“; „Gemüt, er würde vernachlässigt“; „Gemüt, Gefühl verlassen zu sein“, Gemüt – Kneifen, Zwicken, Verlangen zu”, “Gemüt – Schlagen, schlägt – Kinder – schlagen andere, wenn unbeobachtet“, „Gemüt Gleichgültigkeit gegenüber geleibten Personen“, usw. Man sieht  daraus, dass Eifersucht eine Menge mit Gefühlen, Emotionen zu tun haben. Die Geburt des Geschwisterchens war aber nur der Auslöser, sie ist nicht die Ursache für den Seelenzustand des Kindes.

Es kann sich bei kleinen Kindern (ab 2 Jahren) lohnen, den ersten Termin für die Fallaufnahme (Anamnese) ohne Beisein des Kindes zu machen. Was ist das Wichtigste in der momentanen Situation? Wie das typische Verhalten? Wie erlebt das Kind wohl die Situation? Wie die Mutter, die Eltern? Vielleicht ergeben sich daraus bereits Lösungsansätze, die im Alltag umgesetzt werden können. Nach frühestens zwei Wochen nach dem Gespräch, sehen wir uns dann mit dem Kind in der Praxis wieder und schauen, was sich bereits gebessert hat oder nicht. Erst dann bestimme ich ein passendes Arzneimittel. Da die Art wie die Eifersucht ausgedrückt wird und welche Folge sie auf das Wohlbefinden hat immer individuell ist, kann klassische Homöopathie hier sehr gut eingesetzt werden.

Tipps

  • Bereiten Sie das Kind auf das neue Geschwisterchen vor (z.B. mit Bilderbüchern).
  • Beziehen Sie das Kind in die Babypflege ein. Vielleicht mag es seine Puppe auch Baden, wickeln?
  • Ein kleines Kind kann seine Kraft noch nicht einschätzen, dazu bedarf es Erklärungen, zeigen Sie ihm, wie es mit dem Baby umgehen soll.
  • Seien Sie nie zu sparsam mit Lob. Wird es hingegen sehr viel geschimpft, bekommt sozusagen von den Eltern immer nur weiter die Bestätigung, dass sie weniger wichtig als das Baby ist.
  • Spezielle Rituale, ein Sonderprogramm für den grossen Bruder, die grosse Schwester mit der Mama oder dem Papa fördern das Gefühl der Wertschätzung.
  • Ungleiche Behandlung müssen erklärt werden, aber auch die Vorteile dadurch.
  • Verständnis zeigen, wenn das Kind etwas für sich behalten möchte. Erklären Sie dem Kind aber auch, dass es auch seinem Geschwister gut gehen soll, und man auch teilen lernen muss.
  • Anerkennung, Zuwendung, Wertschätzung stärken das Selbstbewusstsein.
  • Vergleiche zwischen den Geschwistern fördern die Rivalität. Jedes der Kinder ist einzigartig, hat seine Stärken.
  • Rivalisierenden Geschwistern hilft es, wenn sie einen eigenen Spielbereich haben dürfen.
  • Unterstützen und Fördern eines eigenen Freundeskreises hilft dem Kind sich auch ausserhalb der Familie zu positionieren.
  • Arten Streitereien in Aggressivität aus, machen Sie konsequent klar, was nicht toleriert wird. Schenken Sie dem Kind aber wieder Aufmerksam, wenn es sich wieder fair verhält.